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Reich  an  Ehren  und  an  guten  Werken,  war  Mathilde  beinahe
achtzig  Jahre  alt  geworden;  da  fühlte  sie  den  Tod  herannahen.  Ihr
Enkel,  der  Erzbischof  Wilhelm  von  Mainz,  war  zu  ihr  geeilt,  um
ihr  die  kirchlichen  Tröstungen  zu  spenden.  Sie  wollte  ihn  noch  mit
einer  Gabe  erfreuen;  aber  alles  hatte  sie  bereits  an  die  Armen
fortgegeben.  Da  ließ  sie  ihm  die  reichverzierten  Decken  reichen,
die  sie  als  Leichentücher  für  sich  selbst  zurückgelegt  hatte.  „Soll
ich  sterben,“  sagte  sie,  „so  wird  es  werden,  wie  die  Leute  sagen:
Das  Leichenkleid  wissen  die  Angehörigen  schon  zu  finden.“  An
einem  Samstag  starb  sie,  an  demselben  Wochentag  und  zu  derselben
  Stunde,  wo  ehedem  ihr  Gemahl  aus  dem  Leben  geschieden
war.  In  der  Kirche  zu  Quedlinburg  fand  sie  an  seiner  Seite  die
letzte  Ruhestätte.  Ein  schlichter  Stein  deckt  beider  Grab.  Das  Andenken
  an  die  Königin  Mathilde,  an  ihren  frommen,  segensreichen
Lebenswandel  lebte  all  die  Jahrhunderte  hindurch.  Die  Kirche  hat
Mathilde  unter  die  Zahl  der  Heiligen  ausgenommen  und  die  Feier
ihres  Angedenkens  auf  den  14.  März  festgesetzt.

273.  Lohengrin.  Eine  Sage  nach  Richard  Wagner.
Von  Gustav  Westfal.

Sur  Seit  Heinrichs  des  ogelstellers  herrschte  in  Brabant  am  Niederrhein
  ein  tapferer  herzog.  Nach  seinem  Tode  verwaltete  seine
liebliche  Tochter  Elsa  für  ihren  jungen  Bruder  das  Land.  Kls  Elsa
sich  mit  ihrem  Bruder  einstmals  im  Walde  erging  und  der  Knabe
den  Schmetterlingen  nachjagte,  verirrte  er  sich  im  tiefen  Forst  und
blieb  verschwunden.  Da  kam  große  Trauer  über  Elsa  und  das  ganze
Land;  wie  sehr  auch  nach  dem  jungen  Herzog  geforscht  wurde,  niemand
  brachte  Kunde  von  ihm.

Da  beschuldigte  herzog  Friedrich  Telramund  von  Sachsen,  der
Bruder  des  verstorbenen  herzogs  von  Brabant,  Elsa  beim  Uönige,
sie  habe  ihren  Bruder  ermordet,  um  dos  Land  an  sich  zu  bringen.

Als  König  Heinrich  bald  darauf,  umgeben  von  seinen  Rittern,
am  Miederrhein  einen  Eerichtstag  abhielt,  erneuerte  Herzog  Friedrich
seine  Anklage,  und  der  König  forderte  Elsa  auf,  sich  zu  verteidigen.
Lange  schwieg  Elsa;  dann  sprach  sie:  „Zu  Gott  flehte  ich  in  stiller
Nacht  um  Heimkehr  des  geliebten  Bruders  und  um  Schutz  in  meiner
Schwachheit.  Da  erschien  mir  im  UTraum  ein  Ritter  in  lilberner
Rüstung,  so  herrlich,  wie  ich  keinen  noch  gesehn  —  er  wird  mein
Beschützer  sein.“  herzog  Friedrich  trat  vor  und  sagte:  „Was  sind
Träume!  Ich  habe  glaubwürdiges  Zeugnis  ihrer  Missetat.  hier

Leilebuch  für  Oberklassen.  D.  30