—  480  —

Noch  eine  hohe  Söule  zeugt  von  verschwundner  Pracht;
Kuch  diese,  schon  gebocsten,  kann  stürzen  über  Ulacht.

16.  Und  rings  statt  duft'ger  Gärten  ein  ödes  Heideland,
Kein  Gaum  verstreuet  Schatten,  kein  Uuell  durchdringt  den  Sand;
Des  Königs  Namen  meldet  kein  lied,  kein  Heidenbuch:
Versunken  und  vergessen!  Das  ist  des  Sängers  Fluch.

281.  Der  Graf  von  Habsburg.
Von  Friedrich  von  Schiller.

u  Aachen  in  seiner  Kaiserpracht,

Im  altertümlichen  Saale,
Saß  König  Rudolfs  heilige  Macht
Beim  festlichen  Krönungsmahle.
Die  Speisen  rrug  der  Pfalzgraf  des  Rheins,
Es  schenkte  der  Böhme  des  perlenden  Weins,
Und  alle  die  Wähler,  die  sieben,
Wie  der  Sterne  Chor  um  die  Sonne  sich  stellt,
Umstanden  geschäftig  den  Herrscher  der  Welt,
Die  Würde  des  Amtes  zu  üben.

2.  Und  rings  erfüllte  den  hohen  Balkon
Das  Volk  in  freud'gem  Gedränge;
Laut  mischte  sich  in  der  Posaunen  Ton
Das  jauchzende  Rufen  der  Menge;
Denn  geendigt  nach  langem  verderblichem  Streit
War  die  kaiserlose,  die  schreckliche  Zeit,
Und  ein  Richter  war  wieder  auf  Erden.
Nicht  blind  mehr  waltet  der  eiserne  Speer,
Nicht  fürchtet  der  Schwache,  der  Friedliche  mehr,
Des  Mächtigen  Beute  zu  werden.

3.  Und  der  Kaiser  ergreift  den  goldnen  Pokal
Und  spricht  mit  zufriedenen  Blicken:
„Wohl  glänzet  das  Fest,  wohl  pranget  das  Mahl,
Mein  königlich  Herz  zu  entzücken;
Doch  den  Sänger  vermiss'  ich,  den  Bringer  der  Lust,
Der  mit  süßem  Klang  mir  bewege  die  Brust
Und  mit  göttlich  erhabenen  Lehren.
So  hab'  ich's  gehalten  von  Jugend  an,
Und  was  ich  als  Ritter  gepflegt  und  getan,
Nicht  will  ich's  als  Kaiser  entbehren."“