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12.  Und  mit  sinnendem  Haupt  saß  der  Kaiser  da,
Als  dächt'  er  vergangener  Zeiten;
Jetzt,  da  er  dem  Sänger  ins  Auge  sah,
Da  ergreift  ihn  der  Worte  Bebeuten.
Die  Züge  des  Priesters  erkennt  er  schnell
Und  verbirgt  der  Tränen  stürzenden  Quell
In  des  Mantels  purpurnen  Falten.
Und  alles  blickte  den  Kaiser  an
Und  erkannte  den  Grafen,  der  das  getan,
Und  verehrte  das  göttliche  Walten.

282.  Die  Frankfurter  Messe  in  früheren  Jahrhunderten.
  Bon  Goethe  und  Spindler.

Es  war  am  23.  August,  dem  Vorabend  des  Bartholomänstages.
Die  Zeit  der  Ernte  und  der  größten  Hitze  war  vorbei.  Zur
Reichsstadt  Frankfurt  am  Main  zogen  von  allen  Seiten,  zu  Wasser
und  zu  Lande,  große  Warenladungen.  Den  Main  hinab  schwammen
mit  singender  Maunschaft  die  gefüllten  Marktschiffse  aus  Franken;
den  Main  hinauf  steuerten  reichbeladene  Schiffe  vom  Rhein  und
Neckar.  Mit  kauflustigen  Handelsherren  dicht  besetzt,  schwankte  von
Nürnberg  der  Postwagen  heran.  Auf  allen  Landstraßen,  die  nach
Frankfurt  führen,  rasselten  hochbepackte  Lastwagen.  Bis  in  die  Nähe
der  Reichsstadt  standen  die  Züge  unter  dem  Geleite  der  Fürsten
und  Stände;  so  waren  sie  geschützt  gegen  edle  und  unedle  Wegelagerer.
  Bis  an  die  Grenzen  des  Frankfurter  Gebietes  zog  den
Ankommenden  die  bewaffnete  Reiterei  der  Stadt  entgegen,  um  sie
bis  ans  Reiseziel  zu  begleiten.  Glockengeläute  kündete  den  Beginn
der  Bartholomäusmesse  an.  In  Frankfurt  war  gegen  Abend  alles
Volk  auf  den  Beinen.  Alles  drängte  sich  zur  Fahrgasse,  zur  Brücke,
bis  über  Sachsenhausen  hinaus  den  Fremden  emgegen.

Bald  wimmelte  die  Stadt  von  Menschen  in  den  Trachten  der
verschiedensten  Länder.  Jedes  Haus  war  bis  zum  Dachstuhl  mit
Einheimischen  und  Fremden  besetzt.  Doch  die  Häuser  reichten  nicht
aus,  um  alle  Gäste  zu  fassen.  Auf  dem  Fischer=  und  Klapperfelde
wurden  Zeltlager  aufgeschlagen.

Am  folgenden  Tage  begann  das  bunte  Treiben  der  Messe;
welch  reges  Leben  in  allen  Teilen,  auf  allen  Straßen  und  Plätzen
der  Stadt  und  am  Mainufer!  Hier  verhandeln  reiche  Tuchhändler

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