—  489  —

Wagst  du  es,  einzutreten,  ein  einz'ger,  für  das  Recht,
Wo  für  das  Unrecht  streitet  ein  tobendes  Geschlecht?
35  Willst  du  dein  Leben  wagen  allstündlich  an  den  Tod,
Uur  um  ein  Dolk  zu  retten  aus  seiner  tiefen  Not7“
Friedrich  der  Hohenzoller  ins  Aug'  dem  Kaiser  sah,
Er  sprach  nicht  lange  Worte,  er  sagte  nichts  als  ja,
Und  in  des  Kaisers  Rechten  die  hand  des  Sollern  lag,
40  Und  Wort  und  Handschlag  waren  wie  Blitz  und  Donmerschlag.
Da  über  allen  häuptern  wie  RKdlerrauschen  flog's,
Und  aus  dem  fernen  Süden  gen  Norden  brausend  zog's,
Und  fern  im  märk'schen  Dorfe  ins  Knie  der  Bauer  sank:
„Herr,  Gott  im  hohen  himmel,  dir  sei  Lob,  Preis  und  Dank!
45  Mein  Feld  hat  wieder  Ernte  und  meine  Kinder  Brot,  —
Es  kommt  der  hohenzoller,  ein  Ende  hat  die  Notl!“

286.  Der  Königsstuhl  bei  Rhens.

Von  Christian  von  Stramberg.

Wä#e  Minuten  unterhalb  des  mittelalterlichen  Städtchens
Rhens  bei  Coblenz  erhebt  sich  dicht  am  Rheine  der  geschichtlich
  berühmte  Königsstuhl.  Sowohl  von  den  Rheinschiffen
als  auch  von  der  nahen  linksrheinischen  Landstraße  aus  sieht
man  ihn  deutlich  vor  sich.  Auf  etwa  2  bis  3  m  hohen  Pfeilern
ruht  ein  dachloser  Rundbau.  Er  hat  Ahnlichkeit  mit  einem
Lehnsessel  und  ist  so  groß,  daß  ungefähr  10  Personen  auf  ihm
Platz  nehmen  können.  Eine  Steintreppe  von  11  Stufen  führt
zu  dem  Stuhl  empor  an  eine  eiserne  Gittertür,  durch  die  man
im  Innern  ringsum  an  der  Brüstung  oder  Stuhllehne  eine
Steinbank  mit  sieben  Sitzen  sieht.

Auf  diesem  Stuhle  hat  niemals  ein  König  oder  Kaiser
gesessen.  Er  wurde  erst  im  Jahre  1848  errichtet  und  ist
ein  Denkmal  der  wichtigen  Handlungen,  die  an  dieser  Stelle
vor  mehr  als  500  Jahren  geschehen  sind.  Er  ist  nur  ein  Ersatz
  für  jenen  Königsstuhl,  der  vom  14.  bis  zum  19.  Jahrhundert
  in  seiner  Nähe  gestanden  hat.  Schon  50  Jahre  vor  der
Errichtung  des  ersten  Königsstuhles  fanden  an  jener  Stätte
wichtige  Versammlungen  der  deutschen  Wahlfürsten  statt.  Dort
befand  sich  ein  lauschiger  Baumgarten,  der  sich  trefflich  als
Versammlungs-  und  Beratungsplat#  eignete.  Er  hatte  eine  stille
Lage  inmitten  einer  herrlichen  Rheinlandschaft.  Vier  deutsche
Kurfürsten  konnten  diesen  Punkt  von  ihren  Ländern  aus  be-