490

duem  zu  Schiff  erreichen  und  besaßen  in  nächster  Nähe  des
Baumgartens  ein  Schloß,  eine  Burg  oder  eine  Stadt,  wo  sie
mit  ihrem  Gefolge  an  den  Versammlungstlagen  wohnen  konnten.
  Der  Mainzer  Kurfürst  besaß  Lahneck  zu  Lahnstein,  der
Pfälzer  die  Marksburg  zu  Braubach;  der  Cölner  besah  Rhens,
der  Kurfürst  von  Trier  Stolzenfels  in  Capellen.  Der  Schall  des
Hifthorns  reichte  von  dem  Baumgarten  hinüber  bis  zu  den  genannten
  Wohnstätten,  wenn  es  zur  Versammlung  rief.  Erst
gegen  Ende  des  14.  Jahrhunderts  wurde  in  diesem  Garten  auf
Wunsch  Kaiser  Karls  IV.  ein  „Gestühl“  errichtet.

Eine  der  feierlichsten  Handlungen,  die  auf  dem  Königsstuhl
  gepflogen  wurden,  war  die  Wahl  Ruprechts  von  der  Pkfalz
am  21.  August  1400.  Die  Stadt  Rhens  war  festlich  geschmückt.
An  den  hübschen  Holzbauten  mit  ihren  verzierten  Balken,  spitzen
  Giebeln  und  Butzenscheiben  flatterten  Fahnen  mit  dem
deutschen  Reichsadler.  Die  Rhenser  Wirte,  Schlächter,  Bäcker
und  Hufschmiede  in  ihren  Knichosen  und  Wadenstrümpfen  hielten
  sich  bereit  und  hofften  auf  Verdienst.  Scharen  von  hohen
und  niederen  Gästen  strömten  herbei.  Im  Gefolge  der  Wahlfürsten
  zogen  Häuflein  gewappneter  und  gepanzerter  Reiter
durch  die  Straßen.  Gast-  und  Familienhäuser  waren  mit  Gisten
  gefüllt.  Als  das  Hifthorn  die  Stunde  der  Wahl  ankündigte,
  eilte  hoch  und  niedrig  hinaus  zum  Königsstuhl.  An  der
Brüstung  des  Stuhles  prangten  die  Wappen  der  sieben  Kurfürsten:
  der  Erzbischöfe  von  Mainz,  Trier  und  Cöln,  des  Pfalzgrafen
  bei  Rhein,  des  Markgrafen  von  Brandenburg,  des  Herzogs
  von  Sachsen-Wittenberg  und  des  Königs  von  Böhmen.
Das  Innere  des  Stuhles  war  mit  Teppichen  und  Tuch  ausgekleidet.
  Ober  die  Brüstung  empor  ragten  die  ehrwürdigen
Häupter  der  Wahlfürsten  im  Kurhut.  Rhenser  Bogenschützen
hielten  den  Zudrang  der  Menge  zurück.  Rings  um  das  Gestühl
wartete  eine  große  Zahl  von  Fürsten,  Grafen,  Rittern  und
Damen  auf  den  Ausgang  der  Wahl.  Ein  Trompeter  hielt  zu
Roß  am  Aufstieg.  Im  weiteren  Umkreise  lagerte  das  herbeigeströmte
  Volk.

Auf  einen  Wink  des  vornehmsten  unter  den  Kurkürsten,
des  Erzbischofs  von  Mainz,  erscholl  ein  Trompetenstob.  Die
Wahl  begann.  Mit  Ruhe  und  Spannung  harrte  die  Menge.
Nach  kurzer  Beratung  und  Abstimmung  erhob  sich  der  Kurfürst
von  Mainz;  er  schaute  über  die  Brüstung  auf  die  lauschenden
Zuhörer  und  verkündete  laut,  daß  Ruprecht  von  der  Pfalz  zum
deutschen  Könige  gewählt  sei.  Der  Reichsmarschall  entrollte