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das  königliche  Banner  und  stellte  es  am  Rhein  auf.  Alles  Voll
rief:  „Es  lebe  der  König!“

Als  das  alte  deutsche  Reich  in  Trümmer  fiel,  lieh  man  auch
den  Stuhl  zerfallen,  auf  dem  chemals  so  manche  Reichsangelegenheit
  geordnet  wurde.  Zur  Zeit  der  Franzosenherrschaft
am  Rhein,  im  Jahre  1808,  wurden  die  letzten  Mauerreste  des
alten  Königsstuhles  weggeräumt,  weil  sie  beim  Bau  der  linksrheinischen
  Landstraße  im  Wege  standen.  Vierzig  Jahre  später,
als  sich  das  deutsche  Volk  nach  Einheit  sehnte,  wurde  zwischen
  Landstraße  und  Rhein  nahe  dem  Standorte  des  alten
Gestühls  ein  neuer  Bau  errichtet,  der  dem  alten  ähnlich  ist.
Bei  seiner  feierlicien  Einweihung  wurde  von  der  Brustwehr  des
neuen  Königsstuhles  herab  eine  Rede  auf  das  neue  Deutsche
Reich  gehalten,  dessen  Ausbau  wenige  Jahrzehnte  später  unter
der  Führung  Preußens  und  seiner  ruhmreichen  Hohenzollern.
so  herrlich  gelungen  ist.

287.  Die  Belagerung  von  Neuß  im  Jahre  1474.

SZmischen  den  Herzögen  von  Cleve  und  Geldern  war  ein  Krieg
ausgebrochen.  Der  Erzbischof  Ruprecht  von  Cöln  schloß  sich  an
Geldern  an,  während  die  Stadt  Neuß  und  ein  großer  Teil  des
Ergstiftes  Cöln  den  Herzog  von  Cleve  unterstützten.  Insbesondere
bildete  die  Stadt  Neuß  den  Mittelpunkt  der  Streitkräfte,  die  sich
gegen  Ruprecht  und  den  Herzog  von  Geldern  verbündet  hatten.  Da
wandte  sich  Ruprecht  um  Hilfe  an  Karl  den  Kühnen,  den  Herzog
von  Burgund.  Karl  schickte  einen  Gesandten  an  den  Magistrat
von  Neuß  und  ließ  ihn  auffordern,  die  Stadt  an  Ruprecht  zu  übergeben.
  Davon  aber  wollten  die  Neußer  nichts  wissen,  denn  sie  hatten
eine  wehrhafte  Besatzung  in  ihren  Mauern.  Nachdem  die  tapfern
Neußer  einen  Angriff  des  burgundischen  Obersten  Nuißenbach  zurückgeschlagen
  hatten,  rückte  Karl  mit  einer  großen  Heeresmacht
heran.  Sein  Heer  zählte  60  000  Mann  und  bestand  aus  Franzosen,
Engländern,  Flandrern,  Italienern  und  Burgundern.  Ein  Teil  des
Heeres  durchzog  raubend  und  plündernd  die  Umgegend,  während
der  zweite,  größere  Teil  vor  Neuß  ein  festes  Lager  bezog.  Die
Stadt  wurde  ringsum  eingeschlossen;  nur  von  der  Seite  des  Erftkanals
  war  eine  Zufuhr  von  Lebensmitteln  möglich.

Karl  ließ  die  Erft  abstechen  und  den  Kanal  mit  Sand  und
Steinen  verschütten.  Alsdann  begann  die  Beschießung  der  Stadt.
Türme  und  Häuser  stürzten  ein,  aber  der  Mut  der  tapfern  Bürger