—  493  —

wankte  nicht.  Am  10.  September  unternahmen  sie  einen  Ausfall,
  eroberten  einen  Mauerbrecher  und  töteten  über  hundert  ihrer
Feinde.  Nun  beschloß  Karl  die  Stadt  einzuäschern.  Wirklich  brach
eines  Morgens  in  der  Stadt  eine  Feuersbrunst  aus,  die  mit  rasender
  Schnelligkeit  um  sich  griff.  Karl  ließ  zum  Sturm  blasen;  allein
auch  im  Lager  seiner  Lombarden  brach  Feuer  aus.  Der  Sturm
unterblieb,  und  die  Bürger  konnten  das  Feuer  löschen.  Einige
kühne  Bürger  schlichen  sich  in  der  Nacht  durch  das  Lager  der  Burgunder,
  um  in  Cöln  eine  Verstärkung  der  Besatzung  zu  holen.
Die  Cölner  schickten  550  wehrhafte  Männer  nach  Neuß,  denen  es
gelang,  sich  in  die  Stadt  zu  werfen.  Allein  nun  fehlte  es  an
Munition;  aber  auch  dicsem  Mangel  wußten  die  Neußer  abzuhelfen.
  Sie  schnitzten  Pfeile  aus  Weinfässern  und  beschlugen  die
Spitzen  der  Pfeile  mit  Eisen.

Unter  steten  Kämpfen  verging  ein  halbes  Jahr.  Die  Not  in
der  Stadt  erreichte  ihren  Höhepunkt.  Hunger  und  Krankheit  rafften
die  Bürger  dahin.  Endlich  schien  der  Himmel  selbst  sich  der  bedrängten
  Stadt  annehmen  zu  wollen.  Der  Rhein  trat  aus  seinen
Ufern  und  vertrieb  die  Feinde  von  den  Weiden,  doch  fuhren  sie
fort,  auf  der  andern  Seite  der  Stadt  zum  Sturm  zu  rüsten.

In  dieser  höchsten  Not  wandte  sich  das  Cölner  Domkapitel  an
den  Deutschen  Kaiser  Friedrich  III.  um  Hilfe.  Dieser  ließ  Karl  auffordern,
  die  Belagerung  der  Stadt  aufzuheben.  Als  das  nicht  half.
sandte  er  eine  starke  Heeresabteilung  gegen  ihn.  Es  kam  zu  cinem
Treffen  bei  Grimmlinghausen.  Karl  wurde  zurückgedrängt,  aber
nicht  besiegt.  Um  diese  Zeit  erhielt  er  Kunde,  daß  die  Franzosen
in  sein  Land  eingefallen  seien.  Auf  diese  Nachricht  hin  sßichte  er
Gesandte  ins  kaiserliche  Lager,  um  Fr  anzuknüpfen.
  Es  kam  zu  einem  dreitägigen  Waffenstillstand,  dem  der
Friede  unmittelbar  folgte.

Die  Belagerung  hatte  48  Wochen  gedauert.  Sechsundfünfzigmal
  war  Karl  erfolglos  gegen  die  Stadt  angestürmt.  Gegen  15000
Mann  hatte  er  bei  diesen  Stürmen  eingebüßt.

Die  Geschichte  der  Stadt  Neuß  war  durch  die  glorreiche  Verteidigung
  um  ein  Ehrenblatt  reicher  geworden.

288.  Friedrich  von  Spee.  Von  Hölscher  und  Duller.
Firich  von  Spee,  aus  dem  jetzt  gräflichen  Geschlechte  der  Spee
von  Langenfeld,  wurde  im  Jahre  1591  zu  Kaiserswerth  geboren.
Im  Jahre  1610  begab  er  sich  nach  Cöln  und  ließ  sich  hier  in  den
Orden  der  Gesellschaft  Jesu  aufuehmen.  Während  seines  lang-