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weil  er  allein  gegen  die  Schweden  zu  schwach  war.  Er  mußte
zunächst  Bundesgenossen  gewinnen;  deshalb  reiste  er  nach  dem  Haag,
um  sich  von  den  Niederlanden  Unterstützung  zu  sichern.  Unterwegs
  erkrankte  er  schwer  an  der  Gicht,  so  daß  er  einige  Wochen  in
Cleve  liegen  mußte.  Erst  im  Mai  hatte  er  die  Zusicherung  erhalten,
daß  Holland,  Dänemark,  England  und  der  deutsche  Kaiser  ihm
beistehen  würden,  und  nun  zögerte  er  nicht  länger.  Am  26.  Mai
1675  brach  er  von  Franken  auf,  und  im  Fluge  marschierte  sein  Heer
in  drei  Abteilungen  durch  den  Thüringer  Wald.  Unterwegs  vernahm
  er,  daß  die  Schweden  die  Absicht  hätten,  sich  der  wichtigen
Festung  Magdeburg  zu  bemächtigen;  deshalb  beschleunigte  er  seinen
Marsch  noch  mehr.  Wenn  die  Schweden  hofften,  Magdeburg  zu
besetzen,  so  hatten  sie  sich  getäuscht;  der  Kurfürst  hielt  ungehindert
seinen  Einzug.  Am  13.  Juni  morgens  um  3  Uhr  brach  er  mit
etwa  6000  Reitern,  1200  Musketieren  und  13  Kanonen  in  der
Richtung  nach  Rathenow  auf.  In  dieser  Stadt  lag  der  schwedische
Feldmarschall  Wrangel  mit  3000  Mann,  in  der  Nähe,  in  Brandenburg,
  sein  Bruder  mit  12000  Mann.  Rathenow  bildete  die  Mitte
der  schwedischen  Heereslinie;  hier  mußte  diese  durchbrochen  werden.

Am  nächsten  Morgen  um  2  Uhr  konnte  man  sehen,  wie  die
dunkeln  Linien  der  brandenburgischen  Truppen  sich  nach  der  Stadt
bewegten.  Der  Marsch  war  beschwerlich,  und  die  Soldaten  mußten
an  einer  Stelle  bis  an  die  Hüften  im  Wasser  waten.  Dennoch  ging
alles  in  größter  Stille  vor  sich.  Die  Schweden  ahnten  auch  gar
nichts  von  einer  Gefahr.  Sie  glaubten,  der  Kurfürst  sei  noch  in
Franken;  ja,  viele  behaupteten,  er  sei  tot.  Trotzdem  hatten  sie
Wachen  ausgestellt.  Aber  der  alte  Derfflinger  überlistete  sie  trefflich.

Er  hatte  am  selben  Tage  sechs  Schweden  gefangengenommen.
Diese  mußten  ihre  Uniformen  ausziehen;  brandenburgische  Soldaten
wurden  hineingesteckt.  Derfflinger  selbst  ritt  als  Schwede  voran.
Am  Wachthaus  angekommen,  wurde  er  vom  Posten  angerufen:
„Halt!  Was  für  Volk?“

„Schwedisch  Volk!“  antwortete  Derfflinger,  der  gut  schwedisch
sprach.

„Von  welchem  Regiment?“

„Vom  Regiment  Bülow!“

„Was  soll's?“"

„Frag  nicht  erst  lange  —  die  Brandenburger  sind  hinter  uns!“

„Die  Brandenburger?"  rief  der  schwedische  Posten  erschrocken
aus.  Rasch  wurde  die  Zugbrücke  herabgelassen,  und  im  Augenblicke
war  Derfflinger  mit  seinen  Soldaten  darauf.  Fünf  Mann  von  der
Wachtmannschaft  wurden  niedergehauen,  zwei  aber  sprangen  in  die