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eroberte  die  Festungen  Kaiserswerth  und  Rheinberg  und  nach  langer
Belagerung  Bonn.  Aber  der  Krieg  zog  sich  von  einem  Jahr  ins
andere  hin.  Die  meisten  Mächte  wurden  allmählich  lässig  und  lau;
der  Kaiser  sorgte  viel  eifriger,  sein  eigenes  Land  gegen  die  Türken
8  vergrößern  als  das  deutsche  Reich  gegen  Frankreich  zu  schützen.

a  konnte  denn  der  Brandenburger  Kurfürst,  der  seine  Truppen
zugleich  am  Rhein  wie  im  Ungarland  kämpfen  ließ,  auch  allein  den
PFhrden  nicht  heilen.  Als  im  Jahre  1697  endlich  der  Friede  geschlossen
  ward,  da  mußte  das  arme  zerrissene  Deutschland  wieder
die  Zeche  bezahlen  und  den  größten  Teil  des  Elsaß  den  Franzosen
überlassen.  Brandenburg  aber  brachte  nichts  aus  dem  Felde  nach
Hause  als  die  blutigen  Lorbeeren,  die  seine  tapfern  Truppen  auf
manchem  Schlachtfelde  gepflückt  hatten.  Sollte  das  sein  einziger
Lohn  sein?

3.  Die  Krone  zum  Lohne.

Wenn  das  liebe  Christfest  näher  und  näher  rückt  und  seine
hellen  Strahlen  freundlich  vorauswirft,  dann  geht  weithin  durch  die
Häuser  und  Herzen  ein  ungewöhnliches  Regen.  Sie  spüren  alle,
daß  wieder  etwas  Neues  und  Schönes  auf  dem  Wege  ist  und  einem
jeden  sein  Teil  davon  werden  soll,  neue  Liebe,  neues  Leben,  neues
Licht.  Wie  groß  aber  das  Stück  ist,  das  einem  jeglichen  zufällt,
das  ist  noch  hinter  heimlichen  Türen  verborgen.

Das  liebe  Christfest  des  Jahres  1700  sollte  in  acht  Tagen  gefeiert
  werden.  Da  gab  es  auch  am  Hofe  zu  Berlin  eine  gewaltige
Unruhe.  Kasten  und  Truhen  wurden  gepackt  und  auf  Wagen  geladen,
  Pferde  gesattelt  und  Läufer  als  Boten  vorausgeschickt.  Der
Kurfürst  Friedrich  wollte  diesmal  das  Fest  in  seiner  andern  Residenz,
seiner  Geburtsstadt  Königsberg  in  Preußen,  verleben;  aber  nicht
allein,  sondern  sein  ganzer  Hosstaat  sollte  ihn  begleiten.  Das  war
solch  zahlreiches  Volk,  daß  man  in  vier  Abteilungen  reisen  und  auf
dem  weiten  Wege  insgesamt  an  30  000  Pferde  zum  Vorspann  bereithalten
  mußte.  Da  kann  man  sich  denken,  welche  Bewegung  und
welcher  Aufstand  in  allen  Grenzen,  wohin  sie  nur  kamen,  erweckt
ward.  „Was,  meinst  du,  will  aus  unserm  gnädigen  Herrn,  dem
Kurfürsten,  werden?"  fragte  der  eine  den  andern.  „Er  hat  etwas
ganz  Besonderes  vor.  Vielleicht  gar  ein  König?“

Jawohl,  ein  König!  Das  war  wirklich  das  Geschenk,  das  er
sich  und  seinem  Lande  machen  wollte,  eine  richtige  Königskrone!
Sein  Herz  hatte  längst  schon  im  stillen  danach  verlangt.  War  nicht
sein  Vetter  Wilhelm  von  Oranien  bercits  vor  12  Jahren  Köni
von  England  und  sein  Nachbar  August  der  Starke  neulich  ach
König  von  Polen  geworden?  Warum  sollte  er  es  ihnen  nicht
gleichtun  können?  Freilich,  er  war  ja  ein  deutscher  Fürst  und
gar  ein  Kurfürst  des  Reichs,  und  sein  oberster  Herr  war  der  Kaiser
in  Wien.  Unter  dem  hatte  es  bisher  wohl  Herzöge  und  Grafen,