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Fürsten  und  Kurfürsten  in  Deutschland  gegeben,  aber  Könige  nimmer.
  Ein  König  konnte  ja  nur  einer  sein,  der  keinen  andern  über
sich  hatte  im  Lande.  Aber  wenn  er  auch  im  Reich  ein  Untergebener
des  Kaisers  war,  sein  Herzogtum  Preußen  war  nicht  im  Reiche
gelegen,  sondern  weit  gegen  Ost  hinter  Polenland.  Dort  war  er
9a  sein  eigener  Herr  und  konnte  tun  und  lassen,  was  ihm  gefiel.

ohlan,  mochte  er  bei  sich  denken,  so  will  ich  wenigstens  dort  in
Preußen  ein  König  sein!

Der  Kurfürst  fragte  den  Kaiser,  ob  er  ihm  solches  wohl  verstatten
  und  ihn  gleichsalls  als  einen  König  ansehen  möchte.  Der
wollte  lange  nicht.  Endlich  aber,  da  er  wieder  um  seine  Habsburger
  Hausmacht  einen  Krieg  mit  Ludwig  XIV.  vorhatte  und  den
Beistand  des  Brandenburgers  und  seiner  tapfern  Mannschaft  gar  zu
nötig  brauchte,  hat  er  am  16.  November  1700  ja  dazu  gesagt.

Das  Weihnachtsfest  war  vorüber  und  das  neue  Fhrhundert
herbeigekommen.  Da  läuteten  am  15.  Januar  zu  Königsberg  feierlich
die  Glocken  vom  Turm,  die  Kanonen  dröhnten  darein,  und  ein
Herold  im  goldgestickten  Kleide  verkündete  dem  auf  den  Plätzen
versammelten  Volk:  „Es  wird  männiglich  kund  und  zu  wissen  getan.
wie  es  durch  die  allweise  Vorsehung  dahin  gediehen  ist,  daß  das
bisherige  Herzogtum  Preußen  nunmehr  zu  einem  Königreich  aufgerichtet
  und  dessen  Souverän  Friedrich  J.  König  in  Preußen  geworden
  ist.“  Alle,  die  es  hörten,  brachen  in  mächtigen  Jubel  aus.
Zwei  Tage  danach  stiflete  der  neue  König  den  Orden  vom  Schwarzen
Adler,  der  bis  heute  der  höchste  in  seinem  Staate  geblieben  ist.
Er  trägt  die  Inschrift:  „Suum  cuique“,  das  heißt  zu  deutsch:  „Einem
jeden  das  Seine.“  Am  18.  Januar  aber  wurde  im  großen  Saale
des  Schlosses  die  Krönung  selbst  mit  glänzender  Pracht  vollzogen.
Der  Monarch  nahm  mit  eigenen  Händen  die  Kronen  und  setzte  sie
sich  und  seiner  Gemahlin  aufs  Haupt  zum  Zeichen  und  Zeugnis,
daß  er  sie  keinem  Menschen  verdanke.  Als  sie  danach  in  die  Kirche
gezogen  und  in  der  Predigt  gehört  hatten,  wie  ein  König  sein
Regiment  zu  Gottes  Ehren  und  seiner  Untertanen  Bestem  führen
müsse,  empfingen  die  Majestäten  auch  die  Salbung  am  Altar.
Draußen  aber  auf  den  Straßen  und  Märkten  wogte  das  Volk  und
wurde  mit  allerlei  Ergötlichkeit  festlich  bewirtet.

4.  Im  Glanze  der  Krone.

Es  ist  wohl  so,  wie  die  Leute  sagen:  „Was  hilft  der  Titel  ohne
Kittel?“  Als  aber  der  Brandenburger  Kurfürst  vor  mehr  als
200  Jahren  den  Königsnamen  annahm,  da  war  es  nichtl  der  Titel
allein,  der  ihn  Feizte  Die  Sache  selbst  war  mittlerweile  eine  andere
geworden.  Das  eutsche  Reich  glich  verzweifelt  einem  Rock,  der
denen,  die  ihn  tragen  sollten,  längst  nicht  mehr  paßte,  sondern  hinten
und  vorn  und  an  den  Ellbogen  aus  der  Naht  ging.  Der  Kaiser
sorgte  um  seine  österreichischen  Lande  am  meisten,  und  die  Stände