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und  Städte  gingen  ihre  eigenen  Wege.  Wenn  aber  der  Feind  kam,
dann  mußte  Brandenburg,  das  vom  Rhein  bis  zum  Niemen  sein
Regiment  hatte,  die  schwerste  Arbeit  tun.  Sollte  ihm  dafür  nicht
auch  der  richtige  Name  gebühren?

Freilich  auch  der  Königsrock,  den  der  Kurfürst  sich  jetzt  anzog,
paßte  noch  nicht.  Der  Staat,  der  ihn  trug,  befand  sich  1E  in  den
Jahren  des  Wachstums,  und  damals  gerade  war  es,  als  ob  er  um
des  neuen  Rockes  willen  sich  recke  und  strecke  und  die  Glieder  voller
und  straffer  würden.  Die  Länder,  die  dem  hohenzollernschen  Zepter

ehorchten,  waren  sehr  verschiedener  Art  und  lagen  zwischen  der
FHollänndischen  und  russischen  Grenze  weithin  verstreut.  Jetzt  aber,
da  sie  einen  König  an  ihrer  Spitze  hatten,  fingen  sie  ernstlich  an,
als  einen  einzigen  Staat  sich  zu  fühlen.  Die  schwarzweißen  Farben,
die  die  alten  preußischen  Ordensritter  in  ihren  weißen  Mänteln  mit
dem  schwarzen  Kreuze  zum  erstenmal  getragen,  wehten  nun  über
allen;  die  Armee  ward  das  preußische  Heer,  bher  Führer  wurden  die
preußischen  Offiziere,  ihre  Bezirke  die  preußischen  Provinzen  genannt.
Ja,  zwei  Jahre  danach  hat  der  König  es  darchgese  t,  daß  das  Reichskammergericht
  zu  Wetzlar,  bei  dem  so  viele  Prozesse  aus  dem  ganzen
deutschen  Vaterland  ein  halbes  Jahrhundert  lang  verschleppt  wurden,
für  seine  Staaten  nichts  mehr  zu  sagen  hatte,  sondern  ein  eigenes
Gericht  zu  Berlin  das  allerletzte  Wort  sprach.

Wer  in  Berlin  einmal  über  die  Lange  Brücke  geschritten  ist,
der  hat  gewiß  auch  zu  dem  Großen  Kurfürsten  aufgeschaut,  der  dort
in  Erz  gegossen  hoch  auf  dem  Rosse  sitzt,  so  gewaltig  und  siegsgewiß,
als  ob  er  spräche:  „Ich  weiß  genau,  was  ich  will,  und  wer  mir  dawider
  ist,  dem  geht's  wie  den  Kettenträgern  dort  unten.“  Dann  ist
er  wohl  auch  am  Schlosse  vorbeispaziert,  das  mit  seinen  mächtigen
Toren,  Höfen  und  Fensterreihen  wie  eine  Stadt  für  sich  daliegt,
und  ist  zum  Zeughaus  gekommen,  daran  allerlei  Steinbilder  von
Kriegern  und  Wassen  die  Ehre  des  preußischen  Namens  verkünden.
Auf  dieser  Wanderschaft  sind  ihm  wohl  mancherlei  Gedanken  von  den

ben  Tagen  der  Väter  durch  den  Sinn  gegangen,  aber  an  den
ersten  König  in  Preußen  hat  er  dabei  vielleicht  gar  nicht  gedacht.
Und  doch  geben  alle  diese  Orte  von  seinem  Regiment  ein  lautes  und
deutliches  Zeugnis.  Friedrich  1.  hat  das  Reiterbild  seines  Vaters
errichten  lassen;  er  ließ  auch  durch  den  berühmten  Bildhauer  und
Baumeister  Andreas  Schlüter  das  prächtige  Schloß  und  das  stolze
Zeughaus  aufführen.  Daraus  sieht  man,  wie  Friedrich  I.  den  edeln
Künsten  wohl  geneigt  war  und  seine  Hauptstadt  königlich  zu  schmücken
verstand;  denn  einem  Könige,  so  meinte  er,  gebühre  erch  ein  prunkhaftes,
  prächtiges  Wesen.

Mit  der  Königskrone  hing  es  auch  zusammen,  daß  der  König
seine  Truppen  noch  einmal  in  einem  großen  und  langen  Kriege
gegen  die  Franzosen  mitfechten  lassen  mußte.  Der  Krieg  ging  ihn
eigentlich  gar  nichts  an  und  das  deutsche  Vaterland  auch  nicht,  denn