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295.  Die  Schlacht  bei  Rohbbach.  Von  Reinhold  Koser.

ein  Fernrohr  vor  dem  Auge,  beobachtete  König  Friedrich  seit

der  achten  Morgenstunde  vom  Söller  des  Roßbacher  Herrenhauses
  durch  eine  ÖOffnung  des  Daches  die  Bewegungen  seiner
Feinde.  Es  blieb  unsicher,  ob  die  Verbündeten  abziehen  oder
sich  ins  offene  Feld  wagen  würden.  Endlich  verließ  Friedrich.
seinen  Beobachtungsposten  und  settte  sich  zu  Tisch.  Da  brachte
ihm  gegen  2  Uhr  Kapitän  Gaudi  die  Meldung,  daß  der  Feind
wahrhaftig  anmarschiere.  Auf  den  Dachboden  zurückgeenlt,  überzeugte
  sich  der  König  von  der  Wahrbeit  der  Botschaft.  Sofort
ward  der  Aufbruch  befohlen.  Die  Pferde  waren  schon  gesattelt;
  binnen  wenigen  Minuten  verschwanden  zum  Staunen
des  Feindes  die  Zelte  „wie  eine  Theaterdekoration“;  nur  einige
Schwadronen  Husaren  und  ein  Bataillon  Infanterie  blieben  auf
dem  Lagerplatz  zurück,  um  dem  Heere  den  Rücken  zu  decken.
Für  den  Kampf  waren  etwas  über  20000  Mann  verfügbar.  Die
Kavallerie  unter  dem  Befehl  des  jüngsten  Generalmajors,  des
36  jährigen  Seypdlitg,  setzte  sich  im  Trabe  an  die  Spitze  des  Fußvolkts;
  sie  marschierte  am  Fuße  eines  Bergrückens,  den  Blicken
des  Feindes  völlig  entzogen.

Noch  setzte  die  Reiterei  der  Verbündeten  an  der  Spitze
der  Infanterie  ahnungslos  ihren  Marsch  fort,  da  sausen  ihr  von
einem  Hügel  die  Geschosse  einer  unversehens  aufgefahrenen
Batterie  entgegen,  und  zugleich  tauchen  über  der  Höhe  Mann
und  Roß  auf,  eine  lange,  prächtige  Front,  15  Schwadronen,
Dragoner  und  Kürassiere.  Den  Säbel  in  der  Faust,  mit  verhängtem
  Zügel  jagen  sie  den  Hang  hinab.  Fünf  Schwadronen
Husaren  werfen  sich  aus  dem  Hinterhalt  auf  die  linke  Flanke
des  Feindes.  Die  enggeschlossenen  Marschlinien  werden  durch
den  stürmischen  Anprall  völlig  überrascht  und  durcheinanderge
  worfen.  Nur  vier  Reiterregimenter  haben  Zeit  gehabt  aufzumarschieren
  und  stürzen  sich  auf  die  Preußen.  Kopf  an  Kopf
halten  die  Rosse  gegencinander.  Die  Reiter  hauen  sich  ins  Angesicht,
  die  Kaiserlichen  durchbrechen  die  preußische  Kavallerie.
Da  sausen  18  Schwadronen  Kürassiere  an,  von  Seydlitz  selber
geführt;  die  Zurückgewichenen  schliebßen  sich  wieder  an,  „und
so  geht  alles,  Kürassier,  Dragoner,  Husar,  wie  die  Furien  in
den  Feind  hinein“.  Die  zurückgeworfenen  Reiter  von  der
Reichsarmee  rufen  im  Vorbeifliehen  dem  Fußvolk  zu:  „Ihr
Brüder,  lauft,  was  laufen  Kann!“  Wohl  greift  der  Feind  nochmals
  an  —  vergebens;  alles  muß  den  Kampfplatz  räumen.