—  510  —

Dem  Regiment  Alt-Braunschweig  reitet  der  König  vorauf,
etwa  20  Schritt  vor  der  Front.  Ein  breiter  Graben  kann  die
Vorwärtseilenden  nicht  beirren;  die  Behendesten  springen  binunter,
  erklimmen  die  Böschung  und  ziehen  die  Kameraden  an
den  Armen  nach;  schnell  wieder  gerichtet,  stürmt  die  Linie
weiter.  „Vater,  aus  dem  Wege,  dab  wir  schießen  können!“
rufen  die  Musketiere  dem  Könige  zu.  Die  französische  Infanterie
ist  verschwunden.  Nun  läuft  ein  Hohlweg  dem  Regiment  duer
entgegen  und  nötigt  es,  sich  zu  spalten.  In  diesem  Augenblicke
kommt  feindliche  Kavallerie  angesprengt.  Mit  Heftigkeit  befichlt
  der  König,  die  Lücke  zu  schließen;  als  das  nicht  angeht,
ruft  er  dem  Regiment  zu,  den  Angreifern  tüchtig  unter  die
Nase  zu  pfeffern.  Eine  wohlvorbereitete  Salve  treibt  die  Reiter
in  die  Flucht,  ihr  Führer  fällt.

Nur  sieben  preußische  Bataillone  sind  zum  Schuß  gelangt,
und  das  Feuergefecht  der  Infanterie  währte  nur  eine  Viertelstunde;:
  zu  rasch  lösten  sich  bei  dem  Feinde  alle  Bande  der
Ordnung.  Ganze  Bataillone  warfen  die  Gewehre  weg,  als  die
Preußen  noch  weit  entfernt  waren.  Nur  wenige  Regimenter
traten  in  einiger  Ordnung  den  Rückzug  an.  Der  feindliche
Befehlshaber  berichtete  an  den  Kaiser  Franz:  „Wenn  man
meinte,  eine  Schwadron  oder  ein  Bataillon  beieinander  zu  haben,
durfte  nur  eine  einzige  Stückliungel  dazwischenfahren,  da  lief
alles  wie  Schafe  davon;  unser  größtes  Glück  war.  Allergnädigster
  Herr,  daPb  es  Nacht  geworden  ist,  sonst  wäre,  bei  Gott,
nichts  davongekommen.“

Die  Sicger  lagerten  sich  unter  freiem  Himmel;  die  Kälte
war  sämeidend;  die  Soldaten  lasen  die  von  den  Flüchtlingen
weggeworfenen  Gewehre  auf  und  schichteten  die  Schäfte  für
ihre  Wachtfeuer  zusammen.  Ringsum  stiegen  feierliche  Choräle
zum  nächtlichen  Himmel  empor.  „Der  hätte  ein  Unmensch  sein
müssen,“  erzählte  einer  dieser  gottesfürchtigen  Kriegsleute,
„der  da  nicht  hätte  einstimmen  wollen.“

Es  war  ein  herrlicher  Sieg.  20000  Preußen  hatten  50000
Franzosen  und  Deutsche  geschlagen.  Die  Zahl  der  Gefangenen
belief  sich  auf  6000  Mann,  250  Offiziere;  15  Standarten,  7  Fahnen,
  2  Paar  Pauken  und  72  Kanonen  —  mehr  als  zwei  Drittel
aller  Geschütze  des  Feindes  —  waren  erbeutet.  Die  Preußen
hatten  156  Tote  und  376  Verwundete.

Am  kolgenden  Tage  war  zunächst  kein  Feind  mehr  zu
sehen,  aber  die  Straßen  waren  wie  besät  mit  Hüten  und
Kürassen  und  Reiterstiefeln,  deren  sich  die  Flichenden  entledigt