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Unablässig  trieb  der  König,  er  lobte  und  schalt;  wie  groß
auch  der  Eifer  der  Beamten  war,  sie  vermochten  selten  ihm  genug  zu
tun.  So  geschah  es,  daß  in  wenig  Jahrzehnten  das  wilde  slawische
Unkraut,  das  dort  auch  über  deutschen  Ackerfurchen  aufgeschossen
war,  gebändigt  wurde,  und  daß  auch  die  polnischen  Landstriche  sich
an  die  Ordnung  des  neuen  Lebens  gewöhnten.

300.  Franzosen  am  Niederrhein.
Von  Alois  Nießner.

n  Winter  des  Jahres  1794/95  hatten  die  Franzosen  fast  das

ganze  linke  Rheinufer  erobert.  Diese  Zeit  bis  zum  Ende  des
achtzehnten  Jahrhunderts  bildet  ein  dunkles  Blatt  in  der  Geschichte
unsers  Heimatlandes.  Die  neuen  Machthaber  sogen  die  Einwohner
  durch  unerschwingliche  Kriegslasten  aus.  Die  ständig  wechselnden
  Verwaltungsformen  riefen  eine  Mißwirtschaft  in  den  Gemeinden
hervor;  die  Verletzung  der  religiösen  Gefühle  der  Bürgerschaft  erregte
  große  Erbitterung.  All  die  fürchterliche  Not,  in  die  die  Franzosen
  das  Land  brachten,  suchten  sie  in  frevelhaftem  Übermute  durch
prunkvolle  Feste  zu  betäuben.  Leider  fanden  sich  in  der  Bevölkerung
Leute,  die  ungeachtet  der  traurigen  Lage  ihrer  Mitbürger  mitfeierten
  und  in  langen  Reden  von  der  Morgenröte  einer  neuen
Zeit  faselten,  da  doch  namenloses  Elend  und  Unglück  zum  Himmel
  schrie.

Unzählig  sind  die  Kunstgegenstände,  die  die  Franzosen  vom
Niederrhein  nach  Paris  schleppten.  Aus  Nachen  allein  wurden  weggeführt:
  ein  kupferner  Adler  von  der  Vorderseite  des  Rathauses,  die
Bildsäule  des  Kaisers  Karl  vom  Marktbrunnen,  der  Wolf  und  die
Artischocke  vom  Münster,  20  Stadtkanonen,  kostbare  Altargemälde
aus  der  Kapuziner=  und  der  Franziskanerkirche,  darunter  die  Geburt
Christi  von  Rubens,  und  viele  andere  wertvolle  Gegenstände  aus
dem  Besitze  der  Stadt  und  der  Kirchen.  Wichtige  Urkunden  des
Stiftkapitels  wurden  zerstört  und  verschleppt,  darunter  die  Kaiserurkunden,
  die  im  Granusturm  aufbewahrt  waren.  Auf  Befehl  des
Volksrepräsentanten  suchte  man  im  vermeintlichen  Grabe  Kaiser  Karls
nach  Schäen.  Sie  gruben  „dreißig  Schuh  tief“,  also  wohl  10  m,
freilich  ohne  etwas  zu  finden.

Ebenso  arg  wie  mit  dem  Eigentum  der  Stadt  und  der  Kirche
verfuhren  sie  mit  dem  Besitztum  der  Bürger.  Am  23.  September
1794  waren  die  Franzosen  in  Aachen  eingezogen,  am  25.  September
  wurde  schon  die  Bürgerschaft  unter  Androhung  der  Todesstrafe
ausgefordert,  alle  ihre  Waffen  auf  dem  Rathaus  abzugeben.  In