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Wie  Stein  der  Wohltäter  Westfalens  gewesen  war,  so  wurde
er  nun  in  noch  höherem  Maße  der  Wohltäter  des  ganzen  Preu-Wischen
  Staates.  Nach  den  unerhörten  Niederlagen  bei  Jena  und
Auerstädt  und  nach  der  Zerstückelung  Preußens  durch  den  Frieden
von  Tilsit  wurde  eine  Neuordnung  des  Preußischen  Staates  notwendig.
  Bei  der  Ausführung  dieses  schwierigen  Werkes  war  Stein
der  erste  Ratgeber  des  Königs.  Und  heiner  der  preußischen  Staatsmänner
  war  hierfür  so  geeignet  wie  Stein.  Ihn  zierten  die  Tugenden
  der  Gerechtigkeit  und  der  Vaterlandsliebe  in  besonders  hohem
  Grade;  sein  scharfer  Verstand  und  seine  reichen  Erfahrungen,
seine  unermüdliche  Arbeitskraft  und  seine  unbeugsame  Willensstärke
ermöglichten  es  ihm,  alle  Schwierigkeiten  zu  überwinden.

Stein  hatte  erkannt,  daß  die  Rettung  und  die  Wiederherstellung
  Preußens  nur  erreicht  werden  könnten,  wenn  die  Bürger  des
Staates  zur  Freiheit  und  zur  Selbständigkeit  erzogen  würden.  Alle
Bürger  sollten  vor  dem  Gesetze  gleich  sein.  Deshalb  wurden  die  bisher
  bestehenden  Vorrechte  und  Standesunterschiede  aufgehoben.  Der
Zugang  zu  den  staatlichen  und  militärischen  Amtern  wurde  für  jeden
freigegeben.  Es  wurde  ferner  allen  Untertanen  erlaubt,  Rittergüter
zu  erwerben  und  jedes  ihnen  zusagende  Gewerbe  zu  betreiben.  Die
Lage  der  Bauern  wurde  freier  gestaltet;  sie  wurden  von  den  Dienstleistungen
  befreit,  die  sie  bisher  für  die  Gutsherren  aufzubringen
hatten;  auch  wurden  sie  in  den  Stand  gesetzt,  selbst  als  Eigentümer
Grund  und  Boden  zu  erwerben.  Die  Städteordnung  gab  den  Bürgern
  der  Städte  das  Recht,  ihre  Obrigheit  selbst  zu  wählen  und
durch  die  von  ihnen  gewählten  Stadtverordneten  an  der  Verwaltung
  der  städtischen  Angelegenheiten  teilzunehmen.  In  ähnlicher
Weise  wollte  Stein  auch  den  bäuerlichen  Gemeinden  Anteil  an  der
Verwaltung  ihrer  eigenen  Angelegenheiten  gewähren.  Schließlich
sollte  dann  das  ganze  Volk  sich  durch  die  von  ihm  gewählten  Vertreter
  an  der  Gesetzgebung  und  Verwaltung  des  Staates  beteiligen.

Wie  Stein  vorhergesehen  hatte,  wurde  durch  diese  Einrichtungen
  in  Preußen  der  Sinn  für  das  Gemeinwohl  vermehrt  und  die
Liebe  zum  Vaterlande  gestärbt.  Preußen  sammelte  neue  Krast.  Napoleon
  aber  fürchtete  eine  Wiedererstarkung  Preußens.  Darum
haßte  er  Stein,  den  Urheber  dieser  Umgestaltung  Preußens,  und
wollte  ihn  verderben.  Auf  seine  Drohungen  mußte  Friedrich  Wilhelm
  III.  den  Freiherrn  aus  seinem  Amt  entlassen.  Stein,  der  von
Napoleon  geächtet  wurde,  mußte  fliehen  und  fand  in  Osterreich  eine
Zuflucht.

Auf  die  Einladung  des  Kaisers  Alexander  begab  sich  Stein
später  nach  Rußland  und  diente  dem  Kaiser  durch  seine  trefflichen