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310.  Krankenpflege  und  Hilfe  der  Frauen  1813.

Von  Gustav  Freytag.

Lauter  wurde  das  Getöse  des  Krieges,  grimmiger  der  zusammenstoß

  der  Massen;  Siegesjubel  und  bange  Sorge
nahmen  in  schnellem  Wechsel  die  Herzen  der  Zurückgebliebenen
  gefangen.  Nach  der  Schlacht  bei  Großgörschen  wurde  verkündet,
  daß  den  Verwundeten  Hilfe  not  tue:  Decken,  Binden,
Verbandzeug.  Da  begann  überall  im  Volk  ein  Sammeln  von
Leinwand  und  ein  Scharpiezupfen.  Unermüdlich  zogen  Kinder
und  Erwachsene  die  Fäden  alter  Leinwand  auseinander,  die
Frauen  schnitten  Binden,  der  Lehrer  sogar  schnitt  in  der  Schule
mit  der  Papierschere  die  Lappen  zurecht,  die  imm  Mädchen
und  Knaben  nach  seiner  Forderung  von  Hause  mitgebracht
hatten,  und  mit  heißen  Wangen  zerzupften  die  Kinder,  während
  er  lehrte,  ihre  Stücke  zu  großen  Ballen.  Es  wurde  eine
gewöhnliche  Abendarbeit  der  Familien.  Es  konnte  den  Kriegern
  doch  ein  wenig  helfen.

In  der  Nähe  der  verbündeten  Heere,  in  den  Hauptstädten
wurden  große  Lazarette  errichtet,  überall  traten  die  Frauen
helfend  dazu,  Hofdamen,  Schriftstellerinnen  und  treue  Hausmütter.
  In  einem  großen  Lazarett  Berlins  waren  Frau  Fichte
und  Frau  Reimer  die  Vorsteherinnen  der  weiblichen  Pflege.
Das  Lazarett  war  durch  die  heimkehrenden  Franzosen  zu  einem
Pestort  geworden;  bösartige  Nervenfieber  herrschten,  und  die
Phantasien  der  Kranken  machten  den  Aufenthalt  entsettlich.
Der  Gattin  Fichtes  graute  vor  dem  Furchtbaren,  er  aber  suchte
sie  in  seiner  großen  Weise  festzuhalten.  Da  wurde  auch  sie
vom  Nervenfieber  befallen;  er  pflegte  die  Erkrankte,  wurde
angesteckt  und  fand  selbst  den  Tod.  Auch  Reil,  der  große
Arzt  und  Gelehrte,  erlag  dort  in  seiner  menschenfreundlichen
Arbeit.  Frau  Reimer  aber  hielt  aus.  Ihr  Haus  war  vor  dem
Kriege  ein  Sammelpunkt  für  die  preußischen  Patrioten  gewesen,
jetzt  stritt  ihr  Hausherr  als  märkischer  Landwehrmann  unter
Putlit.  Die  Sorge  um  den  Gatten,  um  sein  Geschäft,  um  ihre
kleinen  Kinder,  das  alles  nahm  der  tapfern  Frau  nicht  Mut,
nicht  Zeit;  vom  Morgen  bis  zum  Abend,  das  Frühjahr,  den
Sommer  war  sie  in  der  aufregenden  LTätigkeit;  unermüdlich
teilte  sie  sich  zwischen  dem  Hause  und  der  Krankenpflege,  unzerstörbar
  erschien  ihr  selbst  ihr  Leben.  Dem  Gatten,  den
Freunden,  den  Zeitgenossen  war  dieser  Eifer  natürlich  und

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