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zahlte  den  Zoll  für  Preußen  und  fuhr  über  die  kurhessische
und  hannoversche  Grenze,  bezahlte  aber  auch  jedesmal  den  ihm
abverlangten  Zoll.  In  Göttingen  hielten  sich  unsere  Reisenden
einige  Tage  auf  und  verlebten  sie  in  Gesellschaft  des  lieben
Freundes  sehr  angenehm.

Am  dritten  Tage  brach  man  wieder  auf.  An  der  preußischen
  Grenze  fragte  der  Zollbeamte  wieder  nach  dem  „Zollbaren“.
  „Wir  haben  nichts  Zollbares  bei  uns“,  erwiderte  bestimmt
  der  Herr  Professor.  Die  Frau  sah  ihn  an,  schwieg
aber.  Der  Zollbeamte  untersuchte  flüchtig  den  Wagen  und
wünschte  glückliche  Reise.

Geradeso  ging  es  an  den  Zollhäusern  mehrerer  Thüringer
  Staaten,  ohne  daß  man  Zoll  bezahlte,  bis  man  im  Regierungsbezirk
  Erfurt  wieder  an  ein  preubisches  Zollhaus  kam.

Dort  ging  es  in  der  Hauptsache  auch  glatt  ab;  als  aber
der  Blick  des  Zollbeamten  die  Wagenlaternen  streifte,  wurde  er
stutzig;  von  Neugierde  geplagt,  machte  er  sie  auf  und  fand,  daß
beide  mit  Tabak  gefüllt  waren.

Neuer  Schrecken!  Diesmal  lud  sich  aber  das  Unwetter
auf  den  armen  Kutscher  ab,  der  sich  in  Bremen  für  einige
Groschen  Tabak  gekauft  und  diesen  glücklich  bis  Thüringen  in
den  Wagenlaternen  verborgen  hatte.

Was  half  aber  alles  Schelten  und  alles  Jammern  —  der
Herr  Professor  mußte  zahlen.

Endlich  ging's  der  Heimat  zu.  Die  Freude  darüber  ließ
allen  Schmerz  und  Arger  vergessen.  Glücklich  hielt  der  Wagen
vor  der  Tür  des  Herrn  Professors.  Alles  Gepäck  wurde  hereingeschafft,
  aber  das  Kutschkästchen  war  zum  Entsetzen  der  Frau
Professor  leer.  Der  Herr  Professor  hatte  den  unglückseligen
Kaffeesack  in  aller  Stille  bei  seinem  Freunde  in  Göttingen  zurückgelassen.


315.  Aus  der  Zeit  Friedrich  Wilhelms  IV.

Von  Hermann  Lüders.

A's  der  hochbegabte  und  kunstsinnige  König  Friedrich  Wilhelm  IV.
im  Jahre  1840  seinem  Vater  auf  dem  Throne  folgte,  wurde
er  von  allen  Seiten  mit  freudigen  Hoffnungen  begrüßt.  Bei  der
Huldigung  der  Stände  in  Königsberg  sprach  er  die  schönen  Worte:
„Ich  gelobe  vor  Gottes  Angesicht,  daß  ich  ein  gerechter  Richter,