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Der  Vater  Friedrich  Wilhelms  IV.  hatte  die  Bauern  freigemacht,
  den  Bürgern  in  den  Städten  die  Selbstverwaltung  gegeben,
allen  seinen  Untertanen  Gleichheit  vor  dem  Gesetz,  Freiheit  des  Gewerbes
  und  des  Handels  verschafft.  Der  Sohn  konnte  nun  dazu
übergehen,  die  Rechte  des  Volkes  zu  erweitern.  Am  3.  Februar
1847  berief  er  die  einzelnen  Provinziallandtage  nach  Berlin  und
verlieh  diesem  „Vereinigten  Landtage"  das  wichtige  Recht,  bei  der
Einführung  neuer  und  der  Erhöhung  alter  Steuern  die  Zustimmung
zu  erteilen  oder  zu  versagen.  Uber  die  ihr  vorgelegten  Gesetzentwürfe
  sollte  sich  die  Versammlung  gutachtlich  äußern.  Weiter  ging
der  König  aber  erst  vor,  als  die  französische  Februarrevolution  auch
in  Preußen  Unruhen  hervorrief.  Es  war  am  24.  Februar  1848,
als  Frankreich  zum  zweitenmal  zur  Republik  erklärt  und  der  König
Louis  Philipp  vertrieben  wurde.  Mit  einem  Schlage  war  da  das
Bild  der  alten  Zeit  vernichtet;  neue,  bisher  ungekannte  und  ungeahnte
  Wünsche  erfüllten  die  Welt.  Wer  bisher  ein  harmloser,
ruhiger  Bürgersmann  gewesen  war,  gehörte  jetzt  entweder  zur  Partei
  des  Fortschritts  oder  des  Rückschritts;  ein  Mittelding  gab  es
nicht.  Der  bis  dahin  eigentlich  verbotene  Schnurrbart  wurde  zur
Mode;  ja  man  erkühnte  sich  sogar,  Vollbärte  zu  tragen,  die  man
bis  dahin  nur  durch  alte  Bilder  kannte.  Die  stillsten,  ruhigsten.
Leute  wurden  Volksredner,  predigten  Freiheit  und  Gleichheit,  trugen
einen  großen  Hut  und  rasselten  mit  einem  Schleppsäbel  über  die
Straße.  Bis  in  die  kleinsten  Verhältnisse  und  Familien  drang  der
Sturm  der  Zeit;  es  gab  kaum  ein  Menschenkind,  das  nicht  davon
ergriffen  wurde.

Wie  alle  Welt,  so  trug  auch  jeder  Schuljunge  eine  schwarzrotgoldene
  Kokarde.  Aus  Kuhhirten,  die  sonst  nur  ihre  Herden
friedlich  zusammenbliesen,  wurden  im  Umsehen  Signaltrompeter.
Handwerksleute,  die  man  sonst  nur  auf  dem  Schusterschemel  und
an  der  Hobelbank  sah,  wurden  mit  einem  Male  Kriegshelden,  die
allabendlich  verrostete  Flinten  und  Piken  auf  die  Schulter  nahmen,
um  vor  den  Toren  der  Stadt  zu  exerzleren;  das  Trommelrasseln  und
Blasen  wollte  gar  kein  Ende  nehmen.  Zum  Blutvergießen  kam  es
aber  selten;  die  Bewegung  äußerte  sich  mehr  in  Aufzügen,  Volksversammlungen,
  Fahnenweihen  und  Festen  aller  Art.  Viel  Unheil
brachte  die  Jagdfreiheit.  Der  Wildstand  wurde  vernichtet,  und,  was
viel  schlimmer  war,  die  gefährliche  Neigung  zur  Bummelei  ergriff
viele  kleine  Leute  und  brachte  sie  in  ihren  Verhältnissen  zurück.

Indessen  ging  der  Tumult  bald  zu  Ende,  und  schon  der  Herbst
brachte  die  Ernüchterung  mit  sich.  Nach  der  Besiegung  der  ver-