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dreiundsiebzigjähriger  Greis  noch  das  zu  tun  vermöge,  was  er  als
siebzehnjähriger  Jüngling  vollbracht  hatte.

Der  15.  Juli  war  angebrochen.  Kurgäste  und  Emser  Einwohner
  standen  zahlreich  um  das  Kurhaus  versammelt.  Da  erschien
der  König,  zur  Reise  in  seine  Residenz  gerüstet.  Begeistertes
Hochrufen  begrüßt  ihn;  Blumen  bedecken  seinen  Weg.  Er  erwidert
—  Tränen  der  Rührung  in  den  Augen  —  einige  Worte  und  ruft
den  Versammelten  zu:  „Auf  Wiedersehen!  Auf  Wiedersehen!“  Dann
fährt  er  zum  Bahnhofe.  Auch  dort  ein  dreifaches  Hoch,  und  fort
braust  der  Zug.  Und  nun  geht  es  den  630  km  langen  Weg  von
Ems  nach  Berlin.  Schweigsam  lehnt  der  König  im  Armstuhle  seines
  Wagens;  selten  schweift  sein  Blick  hinaus  auf  die  reichgesegneten
Fluren  seines  Landes.  Gar  manche  Sorge  lagert  auf  seinem  Haupte.
Wie  werden  die  Hessen,  wie  wird  Hannover  die  neue  Wendung  der
Dinge  aufnehmen?  Wird  Silddentschland  fest  und  unerschütterlich
zu  uns  stehen?

Da  fährt  der  Zug  in  einen  großen  Bahnhof.  Es  ist  Cassel.
Der  Bahnsteig  ist  von  Menschen  überfüllt.  Nicht  nur  die  obersten
Spitzen  der  bürgerlichen  und  militärischen  Behörden,  Tausende  von
Bürgern  aller  Stände  schließen  sich  dem  Oberbürgermeister  an,  um
die  von  ihm  überreichte  Ergebenheitsadresse  mit  herzlicher  Zustimmung
  zu  begleiten.  Und  niemand  weicht  von  dem  Bahhnsteig,
bis  der  König  mit  seinem  Gefolge  im  Wartesaale  sein  Mittagsmahl
  beendet  hat.  Als  er  heraustritt  und  wicder  in  den  Wagen
steigt,  erneuern  sich  die  jubelnden  Hochrufe,  das  Hüte=  und  Tücherschwenken.
  Mit  solcher  Begeisterung  und  Liebe  empfangen  ihn  die
Hessen.

Tiefgerührt  winkt  der  Monarch  wieder  und  wieder  vom  Fenster
seines  Wagens  der  dichten  Menge  seinen  Dank  zu,  und  dann  geht
es  rasch  vorwärts.

Es  ist  eine  denkwürdige  Reise.  Die  Liebe  und  Begeisterung
des  Volkes,  das  auf  allen  Bahnhöfen,  ja  auf  weite  Strecken  längs
der  Bahn  in  großen  Scharen  versammelt  ist  und  ihm  zuruft:  „Auf
nach  Frankreich!  Auf  nach  Paris!  Hoch  König  Wilhelm!“  scheinen
ihn  mehr  zu  tragen  als  die  Flügel  des  Dampfes,  die  den  Zug  dahintreiben.


Der  Empfang  der  Hannoveraner  in  Göttingen,  der  Braunschweiger
  in  Börßum  tut  ihm  ganz  besonders  wohl;  er  weiß  jeht,
daß  nur  ein  Sinn  in  Norddeutschland  herrscht,  und  er  zweifelt  nicht
mehr,  daß  auch  der  Süden  diesen  teilen  werde,  und  ist  noch  ein
Rest  von  Sorge  in  seinem  Herzen,  so  weicht  er,  als  es  in  Brandenburg
  hineingeht.  Sein  ernstes  Gesicht  heitert  sich  auf,  als  er  seinen