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Geschützen  ein  wenig  talwärts  vor  ihm  standen,  die  Stadt  selbst  zu
beschießen.  Nicht  lange,  so  stieg  mitten  in  Sedan,  in  der  Nähe  der
Kirche,  eine  tiefschwarze  Wolke  auf,  wenige  Minuten  später  leckte
die  rote  Glut  unter  ihr  hervor;  langsam  stieg  die  Wolke,  unten
schwarz,  oben  weißlichgrau,  sich  oben  weit  ansbreirend  wie  eine
Baumkrone.  Da  hieß  der  König  das  Feuer  der  Geschütze  schweigen
und  entsandte  den  Oberstleutnant  von  Bronsart  an  den  Oberfeldherrn
  der  Franzosen,  um  ihn  aufzufordern,  Heer  und  Festung  zu
übergeben.  Kaum  war  dieser  hinabgeritten,  als  die  Bayern  meldeten,
  ein  seindlicher  Offizier  habe  über  dem  Festungstore  die  weiße
Fahne  ausgepflanzt  und  gebeten,  man  möge  das  Feuer  einstellen.
Es  verstrichen  ungefähr  zwei  Stunden,  bis  der  Abgesandte  des
Königs  zurückkehrte.  Auf  das  fürchterliche  Getöse,  das  den  Tag
über  die  Ohren  betänbt  hatte,  war  erst  eine  tiefe  Stille  gefolgt;
dam  drangen  die  Stimmen  der  hunderttausend  Soldaten  wie  das
serne  Brausen  des  Meeres  zum  Könige  herauf.  Während  man
wartete,  richtete  man  ein  großes  auf  dem  Platze  aufgestelltes  Fernrohr
  auf  die  Stadt  und  sah  in  ihren  Straßen  die  unglücklichen
Feinde  dicht  zusammengedrängt;  man  konnte  einzelne  Gestalten  erkennen;
  die  Leute  lagen  erschöpft  an  den  Wänden  der  Häuser  und
ruhten  sich  aus.  Inzwischen  war  auch  der  Kronprinz  Friedrich
Wilhelm,  der  sein  Heer  von  einer  andern  Stelle  aus  geleitet  hatte,
berübergekommen  und  begrüßte  den  Vater.  Gegen  6  Uhr  abends
sah  man  den  Oberstleutnant  von  Bronsart  heraufreiten.  Er  war
der  überbringer  einer  Nachricht,  die  alle  mit  Erstaunen  und  Freude
erfüllte.  Er  sei,  so  meldete  er,  als  er  verlangt  habe,  den  Oberfeldherrn
  zu  sprechen,  zum  Kaiser  Napoleon  selbst  geführt  worden
und  habe  diesem  die  Botschaft  des  Königs  ausgerichtet;  ein  Abgesandter
  des  Kaisers  folge  ihm  auf  dem  Fuße  nach.  Noch  hatte
niemand  gewußt,  daß  der  Kaiser  selbst  sich  in  der  Stadt  befinde  und
nun  mit  dem  Heere  eingeschlossen  und  gefangen  sei.  Der  König
war  sehr  ergriffen,  als  er  diese  Nachricht  vernahm.  Wie  tief  war
der  Kaiser,  der  ihn  hatte  demütigen  wollen,  durch  Gottes  Fügung
selbst  gedemütigt  worden!  Der  König  wandte  sich  um  und  chübtelte
denen,  die  ihm  bei  dem  großen  Werke  geholfen  hatten,  die  Hand.
Es  fing  schon  an  zu  dunkeln,  denn  die  Sonne  war  hinter  schwarzem
Gewölk  untergetaucht,  als  man  von  der  Stadt  auf  geradestem  Wege
drei  Personen  zu  Pferde  sich  nähern  sah.  Es  waren  der  französische
General  Reille,  ein  preußischer  Hauptmann  und  ein  Ulanentrompeter
mit  der  Parlamentärflagge.  Der  König  trat  vor,  alle  andern  Prerren
  seiner  Umgebung  zogen  sich  einige  Schritte  zurück.  Ungefähr
achtzig  Schritte  vor  ihm  stiegen  die  Reiter  vom  Pferde;  General
Reille,  auf  einen  Stock  gestützt,  näherte  sich  dem  Könige  bis  auf
zwanzig  Schritt,  dann  nahm  er  sein  Käppi  ab,  ging  mit  entblößtem
Hanpte  auf  ihn  zu  und  überreichte  ihm  ein  Schreiben.  Der  König,
der  den  General  erst  begrüßt  hatte,  nahm  das  Schreiben,  öffnete  den
Lesebuch  für  OCberklasten.  D.  268