—  369  —.

3.  Im  Wechsel  der  (ieschlechner
An  luhm  und  Trauer  reich.
Hoch  ragt  er,  grauem  Wächier
Der  Heldensage  gleich.

4.  Voll  ward  dir  sonder  Mahen
Des  Krieges  Stolz  und  Ehr’:  —
O  Strahburg  an  den  Straßen,

Sei  nun  des  Friedens  Wehrl

330.  Am  DPalast  Naiser  Wilhelms  des  Eroßen.

Im  März  1888.
Von  Haul  Lindenberg.

Die  gesamte  Bevölkerung  Berlins  ist  in  einer  fieberhaften  Erregung;

  schwere  Sorge  lastet  auf  der  Weltstadt  und  unterdrückt  jede
laute  hußerung.  Zuch  der  himmel  scheint  zu  trauern;  von  grauen
Wolken  bedeckt,  sendet  er  unablässig  seine  durchdringenden  Regenschauer
  herab,  die  den  Kufenthalt  im  Freien  wenig  angenehm  machen.
Kber  wer  denkt  heute  daran!  Ein  stetes  Hinundherwogen  findet
„Unter  den  Linden“  statt,  schwarze  Menschenhaufen  stehen  um  das
Denkmal  des  großen  Friedrich  geschart,  Taufende  und  aber  Tausende
besorgter  Bliche  sind  auf  den  Dalast  des  Kaisers  gerichtet.  „Wie  geht
es  dem  Kaiser?“  das  liegt  auf  allen  Lippen,  das  sieht  man  von
allen  Mienen.  Offiziere  aller  Waffengattungen,  hohe  Beamte,  Uaufleute,
  handwerker,  Arbeiter,  Frauen,  Minder,  sie  drängen  sich  zu  den
Wache  haltenden  Schutzleuten:  „Wie  geht  es  dem  Uaiser?“  Ueine
Antwort  oder  ein  kurzes  „Es  geht  besser“,  das  jeden  zuerst  mit  einem
hoffnungsblitz  erfüllt,  bis  wieder  ein  von  Dorübergehenden  leise  gesprochenes
  Wort  an  unser  Ohr  schallt:  „Es  soll  schlechter  gehen,  die
Kräfte  nehmen  ab.“

Es  ist  zwölf  Uhr  mittags.  Hofequipagen,  elegante  Wagen,
Droschken  fahren  an  der  Rampe  des  alastes  vor  oder  in  dessen  Nebeneingang
  hinein.  Beim  Zussteigen  der  Insassen  werden  Zivilkleidungen
und  Uniformen  sichtbar,  dieser  und  jener  wird  erkannt,  ein  Kommandierender
  General,  ein  Minister,  ein  Angehöriger  der  hofgesellschaft.
Ein  Feldjäger  trabt  heran;  alles  macht  ihm  Platz.  Was  mag  er
bringen?  —  Und  im  Un  hört  man  das  Gerücht:  Es  ist  in  der  Nacht