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an  den  Kronprinzen  telegraphiert  worden,  daß  er  sofort  nach  Berlin
zurückkehre;  vielleicht  ist  das  die  Ankũndigung  seiner  Abreise.  zugleich
  verlautet  auch,  die  Regentschaft  sei  Prinz  Wilhelm  übertragen
worden,  der  Bundesrat  sei  versammelt,  die  Minister  gleichfalls,  dem
Naiser  sei  soeben,  nachdem  er  aus  einer  langen  Ohnmacht  erwacht,  das
heilige  Hbendmahl  gereicht  worden.  Und  die  letzte  Nachricht  scheint
wahr  zu  sein,  denn  Oberhofprediger  Nögel  verläßt  gerade  den  Halast.

Nun  horch,  von  fernher  gedämpfter  Trommelhlang  —  die  Wache
zieht  auf,  dichter  rüchen  die  Menschenwogen  zusammen,  das  Trommeln
verstummt,  schweigsam  marschiert  die  Garde  beim  Halast  vorbei:
„Hchiung,  Zugen  rechts!“  —  das  historische  Echfenster  bleibt  leer,  das
mild  lächelnde  Antlitz  des  herrschers  zeigt  sich  nicht,  kein  Jubellaut,
kein  hurraruf  ertönt.  An  den  andern  Fenstern  tauchen  Eestalten  auf;
man  erkennt  Hrinzessin  Wilhelm,  das  Tuch  an  die  Zugen  pressend,
man  sieht  die  Minister  an  den  Fenstern  zusammenstehen,  auch  die  mächtige
  Figur  des  Fürsten  Bismarch  in  Kürassieruniform  erscheint.

Der  Nachmittag  zeigt  dasselbe  Bild;  eintönig  fällt  der  Regen
hernieder;  still,  schweigsam  harren  die  Menschenmassen  aus.  Die
Gast=  und  Kaffeehäuser  in  der  Nähe  der  Cinden  sind  überfüllt;  ein
einziger  Gesprächsstoff  schallt  aus  dem  Stimmengewirr  hervor:  Der
Kaiser!  —

Und  dann  brecht  die  Nacht  herein.  —  Was  wird  sie  uns  bringen?

Finster,  trübe,  verhängnisvoll  schied  der  gestrige  Hbend  von
uns,  und  der  neue  Uag  brach  nicht  freundlicher  an.  Was  wird  er
uns  bringen?  Aber  wer  kann  es  in  den  beengenden  vier  Wänden
aushalten!  hinaus  in  das  Freie,  hin  zu  den  Linden!  Wie  verändert
die  Straßen  aussehen,  wie  dichtgedrängt  sich  die  Menschen  hinschieben,
dem  gleichen  Siele  zu!  —  Kurz  vor  neun  Uhr  haben  wir  die  Linden
erreicht.  Da  ragt  es  vor  uns  auf,  das  schmuchlose  Haus  des  teuern
herrschers.  In  weitem  Bogen  ist  es  von  schutzleuten  abgesperrt;  sie
haben  heute  einen  bequemen  Dienst;  jeder  folgt  ihnen,  niemand  überschreitet
  die  angegebene  Grenze,  obwohl  viele  Tausende  hier  in  dumpfem
Schweigen  versammelt  sind.  ch,  wenn  Wünsche,  wenn  Bliche  helfen
könnten,  dann  würde  jetzt  der  geliebte  herr  wie  sonst  am  Echfenster
erscheinen  und  die  jubelnden  Grüße  des  Dolkes  entgegennehmen.

Da  —  was  ist  das:  „tot“,  „gestorben“?  Heimlich,  verstohlen
rauscht  es  durch  die  Menschenmauern  und  macht  uns  erbeben,  und  nun
immer  deutlicher  und  immer  vernehmlicher:  „Der  Naiser  ist  tot,  er  ist