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soeben  gestorben  “  —  Nein,  wir  können,  wir  wollen  es  nicht  glauben;
  auch  gestern  war  das  gleiche  Gerücht  falsch.  Einige  Generale
und  Zdjutanten  kommen  aus  dem  Halast;  man  umringt  sie,  man
stürmt  auf  sie  ein,  Hunderte  sind  um  jeden  einzelnen  versammelt  —  ja,
es  ist  wahr,  tränenerstichte  Stimmen  sagen  es  uns,  der  Kaiser  ist  tot,
um  halb  neun  Uhr  ist  er  entschlafen.

Mit  Windeseile  fliegt  die  Kunde  durch  die  Millionenstadt,  überall
noch  auf  Unglauben  stoßend;  es  kann,  es  darf  nicht  sein!  Nahestehende
  stürzen  auf  uns  zu:  „Ist  es  wahr,  ist  der  Kaiser  tot?“  —
„Ja,  es  ist  wahr.“  —  „Oh,  unser  guter,  guter  Maiser!“  Dumpf  dröhnen
  die  Kanonen  dazwischen;  traurig,  wehmütig  wehen  plötzlich  auf
allen  Staatsgebäuden,  auf  dem  Halast  und  den  Eesandtschaftshäusern
die  Fahnen  auf  halbmast;  kaum  kann  man  auf  den  Straßen  durchdringen,
  dabei  kein  Lärm,  kein  hasten,  kein  tosendes  Gewirr  wie
sonst.  Immer  dichtere  Menschenmassen  ergießen  sich  in  die  hauptverkehrsadern,
  in  engen  Knäueln  schieben  sich  jetzt  die  Schulkinder,  meist
mit  verweinten  Kugen,  dazwischen;  von  den  häusern  wallen  umflorte
und  schwarze  Fahnen  herab;  viele  Läden  sind  geschlossen;  aus  den
Dutzgeschäften  ist  jede  helle  Farbe  verschwunden,  nur  schwarze  Stoffe
sind  sichtbar  und  werden  im  Un  ausverkauft.  Zuch  der  himmel
trauert;  Regenschauer  auf  Regenschauer  sendet  er  herab,  aber  trotzdem
wird  das  Gedränge  immer  ärger;  die  überall  angeschlagenen  schwarzgeränderten
  Bekanntmachungen  des  Staatsministeriums  werden  belagert,
  einer  liest  dem  andern  die  tiefempfundenen  Worte  vor,  und
als  ergreifendes  Echo  erdröhnen  jetzt  um  die  Mittagstunde  die  Glochen
von  sämtlichen  Kirchen.

331.  In  einer  Winternacht.

Von  Detleb  von  Liliencron.

Viel  Tausende  haben  sich  aufgemacht

In  stürmischer,  schneciger  Winternacht.
Die  Menge  stant  sich,  steht  Fuß  an  Fuß,
Dem  Kaiser  zu  danken  mit  letztem  Gruß.

5  Plötzlich  am  Schloß  zwei  Flammen  wie  Schlangen,
Vom  Dom  her  wimmert  ein  Glockenbangen,