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332.  Von  der  ersten  Kaiserin  im  neuen  Deutschen
  Reiche.  Von  Hermann  Petrich.

1.  Von  einer  Reise  vor  der  Hochzeit.

Wieder  hatte  die  Welt  sich  in  junges  Grün  gekleidet;  den

Wüldern  und  Feldern  las  man  die  Hoffnuung  vom  Angesicht,
  und  es  war,  als  ob  sie  cinmütig  im  Chor  von  noch
besseren,  schöneren  Tagen  Weissagung  täten.  Auf  alle  die  zukunftsfrohe
  Herrlichkeit  aber  rieselte  unaufhaltsam  ein  belruchtender
  Regen  herab;  denn  es  war  Plingsten,  der  Plingstsonntag
des  Jahres  1829,  und  wenn  es  zu  Plingsten  regnet,  dann  segnet
  der  liebe  Gott  selber  das  Land,  und  die  Menschenkinder
sollen  nicht  unwirsch  dareinschauen,  als  ob  es  ihnen  ihren
lustigen  Feststaat  und  Ihre  lustigen  Gedanken  verdürbe.  Den
richtigen  Pfingststaat  und  die  richtigen  Pfingstgedanken  kann
kein  Regen  verderben.  Sie  schauten  denn  auch  gar  nicht  unwirsch
  darein,  als  nach  becndetem  Gottesdienst  aus  den  Toren
der  alten  Sachsenstattt  Weimar  ein  stattlicher  Zug  von  Wagen
und  Reitern  in  nordöstlicher  Richtung  hinaus-  und  davonzog.
Festlich  geputzte  Leute,  junge  und  alte,  hatten  sich  an  den
Straßen  aufgestellt,  die  Reisenden  noch  einmal  zu  grüßen,  und
in  jedem  Dörflein,  durch  das  die  Fahrt  ging,  stand  der  Lehrer
  samt  seinen  Schulkindern  bereit,  ilinen  ein  Lied  zum  Abschic
  zu  singen.  Als  das  letzte  verklungen  war,  ging  es  zugleich
  mit  dem  Iimfluß,  der  denselben  Weg  hatte,  aus  dem
Lande  hinaus  ins  Preußische  hinein.

Wer  waren  denn  diese  plingstlichen  Reisenden,  die  so
feierlich  geleitet  wurden,  und  wohin  wollten  sie?  Der  brinz
Wilhelm  von  Preußen  war  es,  der  zweite  Sohn  des  Königs
Friedrich  Wilhelm  III.,  und  die  mit  ihm  fuhr,  war  seine  verlobte
  Braut,  die  Prinzessin  Augusta  von  Sachsen-Weimar,  die
er  sich  sochen  abgebholt  hatte,  und  nach  Berlin  zur  Hochzeit
und  zur  neuen  Heimat  wollten  sie  hin.  Sie  redeten  miteinander
  von  dem  Lande,  das  vor  ihnen  lag,  und  in  das  sie  ihre
lHoffnungen  und  Wünsche  als  Kundschafter  vorausschickten.
Daß  die  junge  Braut  aber  noch  einmal  auf  einem  Kaiserthron
sitzen  und  die  erste  Kaiserin  im  neuen  Deutschen  Kalserreich.
sein  würde,  das  verriet  ihr  der  Bräutigam  nicht,  denn  er