wuhte  selber  noch  nichts  davon.  Wir  aber  wissen  es,  daß  es
also  geschechen  ist,  und  wollen  es  auch  niemals  vergessen,  was
die  erste  deutsche  Kaiscrin  ihrem  Gemahl  und  ihrem  Lande,
ja  allen  Völkern  der  Erde  zum  Segen  geschafft  hat.  Es  ist
ein  gut  Teil  davon  bls  heute  geblichen  und  wird  auch  fernerhin
  bleiben.

2.  Von  der  Mutter.

„Unter  den  Linden“  zu  Berlin,  dort,  wo  der  Alte  Fritz
hoch  zu  Plerde  die  Wache  hült  und  scharf  achtgibt,  ob  in
seinem  Staate  auch  noch  alles  den  richtigen  Gang  hat,  stcht
zu  seiner  Rechten  ein  schmucker  Palast,  der  weithin  im  Lande
bekannt  ist;  denn  unter  seinen  Fenstern  haben  ungezählte  Scharen
  von  braven  Leuten  gestanden  und  in  trruer  Liebe  hinaufgeschaut,
  bis  der  alte  Kalser  Wilhelm  sich  dort  oben  an  der
Ecke  sehen  ließ.  Und  wenn  sie  nach  Hause  kamen,  haben
sie  wieder  und  wieder  erxzählen  müssen,  wie  es  gewesen.  Zu
der  Zeit  aber,  von  der  ich  hier  berichten  will,  standen  noch
keine  Scharen  von  braven  Leuten  davor,  denn  der  alte  Kaiser
Wilhelm  war  noch  ein  Jjunger  Prinz  von  Preußen,  der  mit
Leib  und  Seele  Soldat  war  und  alle  seine  Arbeit  und  LKraft
auf  die  Ausbildung  des  preutischen  Hecres  verwandte.  Da
hatte  er  in  diesen  Palast  seine  junge  Gemahlin  Augusta  bineingeführt
  und  mit  ihr  seinen  Ilausstand  begonnen,  und  es  hat
ihnen  so  wohl  darin  gefallen,  daß  sie  ihn  bald  darauf  größer
und  prüchtiger  umbauen  ließen,  wozu  die  Prinzessin  Augusta
selber  die  Zeichnungen  entwerfen  half,  und  sie  sind  auch  nicht
eher  wieder  hinausgezogen,  bis  sie  nach  langen  Jahren  den
letzten  Auszug  gchalten  haben,  der  auch  Prinzen  und  Kaisern
nicht  erspart  werden  kann.

Womit  hat  denn  nun  die  Prinzessin  Wilhelm  dort  in  ihrem
Palast  „Unter  den  Linden“  ihre  Tage  verbracht,  und  was  ist  ihr
Licbstes  gewesen?  Sie  war  ja  eine  kluge  und  gebildete  Frau
und  wuhßte  es  nicht  anders  von  ihrem  Ellernhause  und  ihrer
weimarischen  Heimat  her,  als  daß  der  Geist  des  Menschen  an
geistigen  Dingen  seine  Nahrung  haben  muß.  Darum  hat  sie
allerlei  gelehrte  und  tüchtige  Leule,  berühmte  und  unberühmte.
Professoren,  Künstier  und  Staatsmänner,  ostmals  des  Abends