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zu  sich  geladen  und  sich  mit  ihnen  bei  Tee  und  Kuchen  unterhalten.
  Allein  die  Prinzessin  Wilhelm  hatte  doch  noch  anderes
zu  tun  als  nur  sich  mit  gelehrten  IIerren  zu  unterhalten.  Der
liebe  Gott  hatte  ihr  im  Jahre  1831,  gerade  am  Tage  der  Leip-Ziger
  Schlacht,  am  18.  Oktober,  ein  Prinzlein  in  den  Arm  gelegt,
  aus  dem  nach  vielen  Jahren  der  zweite  Deutsche  Kaiser
Friedrich  geworden  ist.  Sieben  Jahre  später  aber  legte  er  auch
noch  ein  Prinzeßlein  danchen,  das  sie  nach  seiner  Grobmut--ter,
  der  guten  und  frommen  Königin  Luise,  benannten.  Um
die  Erziehung  dieser  ihrer  Kindor  hat  die  Prinzessin  sich  so
treulich  und  gründlich  gekümmert,  daß  jede  Mutter  im  Lande
sich  von  ihr  belehren  lassen  kann,  was  sic  ihren  Kindern  schuldig
  ist.  Sie  wutte  sehr  wohl,  warum  sie  so  sorgsam  war,
denn  sie  schrieb  noch  nach  Jahren:  „Ich  habe  meinen  Sohn
stets  als  ein  Gut  betrachtet,  das  mir  Gott  anvertraute,  und
von  dem  er  mir  Rechenschaft  abfordert.“  Die  Prinzessin  Wilhelm
  hat  über  allem,  was  den  kleinen  Prinzen  anging,  ihr
mütterliches  Auge  gehalten.  Sie  suchte  ihm  selber  die  Lehrer
aus  und  trug  ihnen  auf,  ihn  ohne  Vorurteil  und  Nebenrücksicht
zu  eizichen.  Weil  sie  aber  wohl  wußte,  daß  ein  junges  Menschenkind
  nicht  nur  durch  seine  Eltern  und  Lehrer,  sondorn
ebensoschr  durch  seinesgleichen  erzogen  wird,  so  hat  sie  auch
immer  kür  gute  Gespielen  und  Frounde  gesorgt  und  sich  seiner
  Kameraden  herzlich  angenommen.  Zuletzt,  nachdem  der
junge  Prinz  die  Schule  beendet  batte,  setzte  sie  es  durch,
daß  er  auch  noch  die  Universität  bezichen  durfte,  wWas  seit  langen
  Jahren  bei  den  deutschen  Fürsten  aus  der  Mode  gekommen
  war.  Da  ist  er  ein  Student  zu  Bonn  am  Rhein  geworden,
und  sie  hat  sich  gefreut,  wenn  er  in  den  Fericn  mit  der  Dunten
  Mülze  nuch  Hause  kam.

In  jenen  Jahren  nun,  da  ihr  Sohn  vom  Knaben  zum  Jüngling
  und  vom  Jüngling  Zum  Manne  heranwuchs,  hatte  sich  auch
in  dem  Preutbischen  Staate  vieles  gründlich  geändert.  Der
König  Friedrich  Wilhelm  III.  war  im  Jahre  1840  gestorben  und
sein  ältester  Sohn  Friedrich  Wilbelm  IV.  an  seiner  Statt  König
geworden.  Well  er  uber  kinderlos  wur,  so  wurde  sein  nächster
Bruder  Wilhelm  nun  Prinz  von  Preußen  und  dessen  Gemahlin
Augusta  Prinzessin  von  Preußen.  Acht  Jahre  danach,  als  die