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Franzosen  in  Paris  wieder  einmal  Revolution  gemacht  und
ihren  König,  den  sie  sich  selber  ausgesucht,  davongejagt  hatten,
meinten  auch  die  Berliner,  sie  müßten  es  einmal  versuchen.
Da  gab  es  auch  in  Berlin  eine  umgekehrte  Welt,  und  die  Untertanen
  fingen  an  zu  regieren,  und  die  Obrigkeit  spielte  eine
Weile  den  gehorsamen  Dliener.  Weil  aber  der  Prinz  von
Preußen.  der  ein  strammer  Soldat  war,  in  solche  umgekehrte
Welt  nicht  hineinpaßte,  so  mußte  er  auf  ein  paar  Wochen  über
die  Grenze  nach  England  verreisen.  Da  hat  die  Prinzessin,  die
mit  ihren  Kindern  daheim  blieb,  schwarze  Kleider  angezogen
und  geklagt:  „Nun  bin  ich  eine  Witwe  mit  zwei  Waison!“
Nach  jenen  traurigen  Tagen  sind  der  Prinzessin  auch  wieder
Irohe  gekommen.  Ihr  Gemahl  war  zum  Kommandierenden  General
  im  Rheinland  ernannt;  darum  hatten  sie  ihren  Wohnsitz
auf  ein  puar  Jahre  in  das  wunderschöne  Coblenz  verlegt.  Als
sie  nun  dort  ihren  vierundvierzigsten  Geburtstag  zu  feiern  sich
anschickte,  erlebte  sle  am  Abend  vorher,  den  29.  September
1855,  die  große  Freude,  daß  ihre  beiden  Kinder  an  einem  Tag
ihre  Verlobung  begingen.  Der  Sohn  batte  sich  fern  in  den
schottischen  Bergen  die  Prinzessin  Viktoria  von  England  zur
Braut  erkoren,  die  Tochter  aber  versprach  sich  zu  Coblenz  mit
dem  Großherzog  Friedrich  von  Baden.  Da  leuchtete  nicht  nur
den  jungen  Verlobten  das  Antlitz  von  Liebe  und  Glück,  sondern
auch  der  Mutter  und  dem  Vater,  und  man  konnte  es  ihnen
deutlich  anschen,  daß  sie  im  Glück  ihrer  Kinder  ihr  eigenes
fanden.

3.  Von  Frauen-  und  Friedensarbeit  im  Kriege.

Das  war  wieder  ein  glänzender  Tag.  den  die  alte  Stadt
Königsberg  in  Preußen  am  18.  Oktober  1861  in  ihren  Mauern
sah.  Ein  prachtvoller  Festaug  bewegte  sich  über  den  weiten
Schloßplatz  hinweg  in  die  Kirche  hinein,  Herolde  und  Spielleute
  voran,  viele  vornehme  Herren,  Generale  und  Minister
hlntennach.  In  der  Mitte  aber  schritt  ein  stattliches  Paar,  der
König  Wilhelm  von  Preußen  mit  seiner  Gemahlin  Augusta.
Vor  wenigen  Monaten,  am  2.  Januar,  hatte  Wilhelm  den  Thron
seiner  Vüter  bestiegen,  denn  Friedrich  Wilhelm  IV.  war  nach
schwerer  Krankheit  verschieden.  Heute  sollte  die  feierliche