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Krönung  geschehen.  Das  war  nur  der  Anfang  der  Ehren,  die
damals  schon  auf  dem  Wege  waren.  In  den  zehn  Jahren  danach
  liegen  die  größten  Tage,  die  der  himmlische  Weltregent
unserm  Ueben  deutschen  Vaterlande  zugedacht  hatte,  und  auch
die  Könlgin  Augusta  bekam  davon  ihr  reichliches  Teil.  Es
wurde  freilich  in  heißen  Schlachten  erkümpft,  und  manch
Tröpllein  Blut  ist  darüber  zur  Erde  gellossen.  Schlachten
schlagen  und  Blut  vergictßen  ist  aber  Arbeit  der  Münner,  die
den  Frauen  nicht  leicht  in  den  Sinn  will.  Wenn  der  König  ihr
dann  aber  aus  dem  böhmischen  Felde  1866  und  aus  Frankreich
  1870  eine  Siegesdepesche  nach  der  andern  schickte,  wenn
sich  dann  die  Scharen  des  treuen  Volkes  stundenlang  vor  ihrem
Palast  „Unter  den  Linden“  drängten  und  auf  die  ersehnte
Kunde  warteten,  und  wenn  sie  ihnen  die  Depesche  vorlesen
ließ,  ein  Ilurra  und  Hoch  nach  dem  andern  und  ein  Lied  um
das  andere  zum  Himmel  stieg  und  der  Jubel  sich  vom  Palast
bis  in  die  abgelegensle  Kammer  wälzte:  dann  hat  auch  ihr
das  Ilerz  allmählich  höher  geschlagen,  und  sie  hat  gefühlt,  daf
es  ctwas  Großes  sei,  von  Gott  an  die  Spitze  des  deutschen
Volkes  gestellt  zu  sein.  Sie  hat  aber  noch  Größeres  in  jenen
großen  Tagen  gewutzt  als  Botschaft  zu  tragen  zwischen  König
und  Volk.  Das  rote  Kreuz  im  weißten  Felde  wurde  ihr  Banner,
das  weithin  verkündete:  „Hier  schweigt  der  Kampf,  und  die
barmherzige  Liebe,  die  einstmals  am  Kreuze  starb,  führt  hier
das  Zepter.“  Sie  sind  nicht  zu  zählen,  die  dem  Roten  Kreuze
ihr  Leben  verdanken.  Uberall  entstanden  auf  Augustas  Antricb
Vereine,  Krankenpfleger  und  pflegerinnen  wurden  ausgebildet
und,  als  der  Kricg  1866  ausbrach  und  die  Cholera  wie  ein
Geier  hinter  ihm  berflog,  mit  in  das  Feld  geschickt.  An  zwölf
Mlllionen  Mark  kamen  damals  zu  solchem  Liebeswerk  zusammen.
  Die  Königin  selbst,  mit  dem  roten  Krenz  am  Arm,  besuchte
  unermüdlich  die  Krankenhüuser  im  Lande,  reiste  zu  den
österreichischen  Gefangenen  nach  Magdeburg  und  vergaß  auch
nicht,  Dolmetscher  mitzunehmen,  damit  sie  sich  mit  den  Tschechen,
  Slowaken  und  Ungarn  in  ihrer  Zunge  einlassen  könne.
Als  aber  das  Dank-  und  Friedensfest  am  11.  November  gefeiert
ward,  da  rief  sie  noch  dessclbigen  Tages  den  Vaterlündischen
Frauenverein  ins  Leben,  damit  auch  die  Frauen  im  ganzen

Leibuch  für  Cberklassen  T.  37