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Rußland  ab.  Jedes  Wort  ist  ein  helles  Licht  für  Freund  und
Feind:  „Wir  wollen  gut  Freund  mit  den  Russen  bleiben,  aber  wir
laufen  niemand  nach.“  Ununterbrochen  redet  er  weiter;  jetzt  tönt's
durch  seine  Stimme  wie  Waffenklirren.  Feierlich  verkündet  er:
„Nie  wird  Deutschland  einen  Angriffskrieg  führen.  Aber  werden
wir  herausgefordert,  dann  wird  das  ganze  Deutschland  von  der
Memel  bis  zum  Bodensee  wie  eine  Pulvermine  aufspringen.  Der
feste  Mann,  der  Familienvater,  jene  Hünengestalten,  die  noch  von
der  Besetzung  der  Brücke  zu  Versailles  her  bekannt  sind,  werden
wieder  zu  den  Waffen  greifen,  und  wir  werden  wieder  mit  Gottes
Hilse  in  gerechter  Sache  siegen.“  Die  Herzen  der  Hörer  schlagen
höher;  jeder  fühlt  sich  jetzt  mit  echtem  Stolz  als  Deutscher.  Und
nun  schließt  der  Kanzler  mit  einem  Kernworte:  „Wir  Deutschen
fürchten  Gott  und  sonst  nichts  auf  der  Welt!“  So  klingt's  hell  und
stark  in  den  Saal,  in  die  Welt  hinein.

Einen  Augenblick  Schweigen.  Dann  bricht  ein  Jubel  los,
wie  ihn  der  Deutsche  Reichstag  noch  nicht  gesehen  hat.  In  unbeschreiblicher
  Erregung  schütteln  die  Männer  einander  die  Hände;
in  wenigen  Minuten  ist  die  Heeresvorlage  angenommen.  Erregt
strömen  die  Abgeordneten  auf  die  Straßen.  Wie  ein  Blitstrahl
fliegt  das  Wort  durch  die  Menge:  „Wir  Deutschen  fürchten  Gott
und  sonst  nichts  auf  der  Welt!“  Die  Menge  braust.  Der  Kanzler
tritt  aus  dem  Hause.  Tausende  von  Armen  strecken  sich  ihm  entgegen;
  Tausende  von  Herzen  schlagen  ihm  zu.  Der  Verkehr  stockt,
die  Straße  bebt.  Der  Jubelschrei  begleitet  ihn  bis  zu  seinem  Hause,
und  hindurch  tönt:  „Lieb  Vaterland,  magst  ruhig  sein,  fest  steht  und
treu  die  Wacht  am  Rhein!“

334.  Der  sparsame  Graf  Moltke.

Der  junge  Helmut  von  Moltke  war  ein  ganz  armer  Leutnant.

Seinen  Eltern  war  es  durch  widrige  Schidksalsschläge  beinahe
  unmöglich  geworden,  ihren  Kindern  eine  standesgemäße
Berufsbildung  zuteil  werden  zu  lassen,  und  so  war  für  unsern
Helmut  an  einen  Zuschuß  nicht  zu  denken.  Durch  seinen
Fleiß  hatte  er  es  dahin  gebracht,  daß  er  zur  Kriegsakademie
kommandiert  und  später  dem  Großen  Generalstabe  eingereiht
wurde.  Aber  durch  solche  Erfolge  wurden  seine  Sorgen  nur
größer.