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Als  Generalstabsoffizier  bedurfte  er  eines  Reitpferdes  und
für  Ubungsreisen  gar  zweier.  Was  tun?  Wenn  man  jetzt  die
Briefe  liest,  die  der  damals  Dreißigjährige  mit  seiner  Mutter
über  die  leidigen  Geldsorgen  wechselte,  dann  wird  einem  ganz
warm  ums  Herz.

Moltke  war  niemals  verzagt.  Sein  Wahlspruch  war:
„Hif  dir  selbst,  so  helfen  dir  auch  die  andern.“  Wenn  die
Kameraden  sich  auf  Hofbällen  und  in  den  Weinstuben  zerstreuten,
  dann  war  Moltke  daheim  und  arbeitete  an  der  Dbersetgung
eines  großen  zehnbändigen  englischen  Werkes,  wofür  er  vom
Verleger,  und  zwar  erst  nach  Anrufung  der  Gerichte,  alles  in
allem  166  Taler  Honorar  erhielt.  Für  annährend  2000  Druckseiten
  166  Taler!  Abend  für  Abend  hat  Moltke  nach  Erledigung
seines  anstrengenden  militärischen  Dienstes  und  neben  seinen
umfassenden  wissenschaftlichen  Studien  bis  tief  in  die  Nacht  hinein
  dieser  Arbeit  gewidmet,  so  daß  er  in  einem  Briefe  seiner
Nutter  klagt:  „Ich  arbeite  mich  zuschanden  daran.“  Aber  bald  ist
Moltke  in  der  Lage,  von  seinem  Leutnantsgehalt  monatlich  fünf
Taler  für  seine  Brüder  zu  sparen,  und  in  der  Stadtarmenkassec,
der  ersten  öffentlichen  Sparkasse  Berlins,  wurde  der  Generalstabsleutnant
  und  spätere  Hauptmann  ein  gar  häufiger  Gast.

Vierzig  Jahre  sind  vergangen.  Den  jüngeren  Bruder
des  Feldmarschalls,  Ludwig  von  Moltke,  hatte  das  Glück  nicht
gesucht,  und  nun  ist  ihm  auch  das  letzte  Kind,  die  Stütge
seines  Alters,  erkrankt,  so  daß  er  zu  dessen  Genesung  einen
Kurort  im  Süden  aufsuchen  muß.  Sorgenden  Blickes  sieht  er
in  die  Zukunft.  Da  kommt  ein  Brief  vom  „grobßen  Bruder“
in  Berlin,  der  unter  anderm  folgenden  Satz  enthält:  „Ich  habe
100  Stück  Zentral-Bodenkredit-Aktien  zu  je  200  Taler,  also
nominell  20  000  Taler  für  Dich  in  einem  besondern  Blechkasten
  zurückgelegt,  den  Du  zu  jeder  Zeit  hier  in  Empfang
nehmen  lassen  kannst.  Die  Aktien,  die  über  pari  stehen,
bringen  jährlich  über  1000  Taler  Zinsen.  Bei  einer  sichern
Mehreinnahme  von  1000  Taler  wirst  Du,  hoffe  ich,  von  Sorgen
befreit  sein.“"  So  dachte  und  handelte  ein  Mann,  der  seinen
Oberrock  20  Jahre  trug.  —

Der  Graf  war  neunzig  Jahre  alt  geworden  und  hatte  alle
Ehren  erfahren,  die  einem  Sterblichen  zuteil  werden  können.