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Kaum  vermochte  sie,  die  selbst  so  viel  Leid  des  Lebens  erfahren
  hatte,  die  Tränen  zurückzuhalten,  als  Kaiser  Friedrich
stumm  auf  seinen  Hals  deutete  und  mit  der  rechten  Hand  zum
Himmel  wies.

Das  preußische  Staatsministerium  war  dem  heimkehrenden
Kaiser  am  11.  März  bis  Leipzig  entgegengefahren.  Fürst  Bismarck
  stieg  zuerst  in  den  Wagen  des  Kaisers,  um  seinen  neuen
Herrn  zu  begrübßen.  Kaiser  Friedrich  schritt  dem  Reichskanzier
rasch  entgegen  und  umarmte  und  küßte  ihn  wiederholt.  Tiefbewegt
  neigte  sich  dieser  und  küßte  des  Kaisers  Hand.  Die
Kaiserin  begrüßte  ebenfalls  den  Fürsten  auf  das  herzlichste.
Unter  stürmischen  Hochrufen  der  versammelten  Menge  nahm
der  Zug  um  7  Uhr  abends  die  Weiterfahrt  nach  Berlin  auf.  Kurz
nach  11  Uhr  langte  man  bei  heftigem  Schneesturm  in  Westend
an.  Da  jeder  feierliche  Empfang  verbeten  war,  hatten  sich  nur
die  nächsten  Angehörigen  des  Kaisers  eingefunden.  Die  Begrü-Hung
  erfolgte  im  Eisenbahnwagen.  Den  Kronprinzen  Wilhelm
drückte  der  Kaiser  ganz  besonders  herzlich  an  sich  und  küßte
ihn  auf  beide  Wangen.  Brausende  Hochrufe  ertönten,  als  das
Kaiserpaar  in  geschlossenem  Wagen  den  Bahnhof  verließ.  Unter
dem  Geleit  zweier  Züge  Gardedukorps  ging  es  in  schnellster
Fahrt  nach  dem  Schloß  in  Charlottenburg.

Der  Kaiser  betrat  die  Vorhalle  des  Schlosses  festen,  schallenden
  Schrittes.  Mit  der  Gebärde  eines  Mannes,  dem  es  wohl
ums  Herz  ist,  wieder  auf  heimischem  Boden  zu  stehen,  reckte
er  sich  in  die  Höhe,  nachdem  er  den  Mantel  abgeworfen  hatte.

Ach,  nur  ungefähr  drei  Monate  sollte  der  Kaiser  sich  noch
seiner  irdischen  Heimat  erfreuen  dürfen.  Schon  am  15.  Juni
berief  die  Vorschung  den  edeln  Dulder  in  die  bimmlische
Heimat  ab;  aber  auch  dorthin  folgte  ihm  die  Liebe  und  Treue
seiner  Landeskinder  nach.

337.  Kaiser  Friedrichs  letzte  Fahrt.

6.  Juni  1888.  Von  Theodor  Fontane.

Ich  sähe  wohl  gern“,  er  sprach  es  stumm,
*„Voch  einmal  die  Plätze  hier  herum,
Am  liebsten  auf  Alt-Geltow  zu  —

Und  ihr  kommt  mit,  die  Kinder  und  du.“