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Kompanie  war  nur  neunzig  Mann  stark;  zehn  ließen  wir  bei  den
Pferden;  nur  zu  achtzig  Mann  gingen  wir  in  den  Busch  hinein.  Die
Feinde  schossen  heftig  und  stießen  wilde  Ruse  aus.  Einer  von  den
Unfrigen  wurde  verwundet;  doch  vom  Feinde  sah  ich  noch  nichts.
Da  aber  sah  ich,  einen  Augenblick  nur,  ein  Stück  von  einem  erhobenen
  Arm  im  graubraunen  Kordrock  und  schoß  dahin;  dann  lag
ich  und  spähte  auf  ein  neues  Ziel.  Es  ging  lebhaftes  Feuern  hin
und  her.

Ich  hörte  durch  all  unser  eigenes  Schießen  hindurch,  daß  wir
auch  von  links  her  Feuer  bekamen.  Nun  wurde  dies  Feuer  stärker.
Ich  glaubte,  daß  sie  nun  hervorbrächen  im  wilden  Sturm,  und  daß
es  mit  uns  aus  wäre.  Ich  hatte  wegen  unserer  Verwundeten  eine
furchtbare  Angst  für  den  Fall,  daß  wir  zurück  müßten.  Ich  nahm
mir  fest  vor,  wenn  das  Kommando  käme,  laut  zu  rufen:  „Die  Verwundeten
  mitnehmen!"“  Aber  als  ich  es  eben  bei  mir  beschloß,  kam
ein  Unteroffizier  mit  einigen  Mann  und  ermutigte  uns  durch  einige
Worte:  „Haltet,  ich  schicke  Hilfe!“  Bald  darauf  hörte  ich  hinter
mir  etwas  schleisen  und  klirren,  und  eine  ruhige,  sanfte  Stimme
hinter  mir  sagte:  „Nun  rück  mal  ein  bißchen  zur  Seite!““  Das  Nohr
eines  Maschinengewehrs  schob  sich  neben  meinem  Gesicht  vor.  Gleich
darauf  knatterte  es  los.  Die  rasende  Kugelsaat  sauste  in  die  Büsche,
prasselte  und  pfiff.  Nun  donnerten  auch  die  Kanonen  von  einer
Anhöhe  hinter  uns  über  unsere  Köpfe  weg.  Da  wurde  es  drüben
etwas  stiller,  und  da  kam  auch  schon  der  Ruf:  „Sprungweise  vor!“
Wir  sprangen  auf  und  stürzten  vor;  aber  eine  entsetzliche  Kugelsaat
  prasselte  gegen  uns  an  —  und  wir  warfen  uns  wieder  hin.
Schräg  vor  mir  hatte  ein  Unteroffizier  eine  Kugel  in  den  Leib  bekommen;
  das  Blut  strömte  sofort  mit  Gewalt  aus  der  Wunde;  er
kauerte  und  versuchte  es  mit  seinem  Taschentuch  zu  hemmen  und
rief  laut  um  Hilfe.  Da  stürzte  schräg  von  der  Seite  tollkühn  mein
Nebenmann  vor,  faßte  den  Verwundeten  an  den  Schultern  und  zog
ihn  hinter  uns.  Die  Kugeln  schlugen  um  ihn;  der  Lauf  seines  Gewehrs
  flog  getroffen  klappernd  zur  Seite.  Er  legte  sich  ruhig  wieder
an  seinen  Platz.  Von  drüben,  im  Busch,  schossen  sie  mit  wildem
Eifer  und  schrien  vor  Wut.

Wir  kamen  nicht  vorwärts.  Ich  weiß  nicht,  wie  lange  wir  so
lagen  und  schossen.  Es  sind  wohl  Stunden  gewesen.  Ich  wunderte
mich  einmal,  daß  sich  kein  Offizier  bei  uns  sehen  ließ,  und  vergaß
es  wieder;  der  Schweiß  rann  mir  wie  Wasser  über  den  ganzen
Körper.  Nicht  meine  Zunge,  mein  Hals,  mein  ganzer  Körper  schrie
nach  einem  Schluck  kühlen  Wassers.  Da  wurde  das  Feuer  drüben
schwächer.  Eine  Stimme  befahl:  „Langsamer  feuern!“  Von  drüben

Veirbuch  für  Oberklaßen.  D.  38