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raten,  fertige  Entscheidungen  zur  Untlerschrift  vorgelegt  und  neue
Entscheidungen  getroffen.  Unten  über  den  Schloßplatz  hasten  die
Menschen;  mancher,  den  die  Arbeit  und  die  Sorge  treiben,  schaut
hinauf  zu  den  Kaiserfenstern  und  denkt:  Der  hats's  leichter  als
du!  Ach,  wenn  sie  nur  wüßten,  was  in  solchen  Beratungs=  und
Entscheidungsstunden  durch  Kopf  und  Herz  unsers  Herrschers  geht,
sie  würden  anders  denken!

Auf  die  Vorträge  folgen  die  Audienzen  im  Sternensaale.  Bald
sind  es  Generale  und  Regimentskommandeure,  bald  Präsidenten  und
Oberpräsidenten,  die  sich  nach  ihrer  Ernennung  vorstellen.  Hier  ist
es  ein  Sohn,  der  die  Orden  seines  heimgegangenen  Vaters  in  die
Hände  des  Monarchen  zurücklegen  will,  und  dort  ein  Gesandter,
der  die  Grüße  seines  Fürsten  überbringen  möchte.  Wie  mancher
steht  hier  seinem  Kaiser  zum  erstenmal  gegenüber,  und  der  Blick
seines  ernsten  Auges  bleibt  ihm  unvergessen.  Die  Worte  des  Kaisers
vererben  sich  auf  Generationen.  Wie  mancher  andere  sieht  ihn  hier
zum  letztenmal;  sein  Dienst  für  König  und  Vaterland  ist  zu  Ende,
und  der  krästige  Händedruck  seines  Kaisers  verschönt  ihm  seinen
Feierabend.  Wie  viele  sind  erstaunt  über  die  gespannte  Aufmerksamkeit
  des  kaiserlichen  Herrn,  über  die  Gründlichkeit,  mit  der  er
sich  über  alles  unterrichtet,  und  vor  allem  über  die  Leutseligkeit,
mit  der  er  sein  ganzes  Herz  in  seine  Worte  legt.

Um  die  Mittagszeit  rollt  mancher  Wagen  aus  den  Toren
des  Schlosses.  Wir  folgen  mit  unsern  Blicken  wieder  dem  Wagen
der  Majestäten.  Jetzt  gilt  die  Fahrt  nicht  wie  am  Morgen  ausschließlich
  der  Erfrischung  in  der  stillen  Natur,  sie  hat  jetzt  zugleich
praktische  Ziele.  Der  Kaiser  gibt  dem  Leibjäger  einen  Wink,  und
der  Wagen  rollt  nach  dem  Südwesten  Berlins.  Bald  hält  das
Automobil  vor  einer  Künstlerwerkstätte.  Ist  die  eingehende  Besichtigung
  zu  Ende,  so  geht  es  schnell  zurück;  doch  noch  einigemal  läßt
der  Kaiser  halten.  Es  gilt  Besuche  zu  erwidern  bei  fürstlichen
Persönlichkeiten,  fremdländischen  Botschaften  Aufmerksamkeiten  zu
erweisen  oder  nach  dem  Befinden  hervorragender  Persönlichkeiten
anzufragen.

Gegen  5½  Uhr  ist  der  Monarch  wieder  an  seinem  Arbeitstische.
  Er  prüft  die  noch  übrigen  Berichte  der  Minister,  Botschafter
und  Gesandten,  empfängt  dringende  Meldungen,  unterzeichnet  eilige
Entscheidungen  oder  liest  die  Zeitungen.

Das  ist  die  Durchschnittsarbeit  eines  Tages.  Natürlich  gibt
es  Tage,  zuweilen  auch  Wochen,  in  denen  sich  diese  Arbeitslast  verringert;
  aber  wirkliche  Ferien,  vollen  Urlaub,  hat  der  Kaiser  nie-