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bewiesen  hatte,  daß  sie  die  Krbeit  nicht  scheute,  den  Bund  fürs  Leben;
sie  eröffneten,  auf  ihre  Kraft  und  Tüchtigkeit  bauend,  ein  kleines  Geschäft,
  das  ihnen  zum  mindesten  den  Cebensunterhalt  einbringen  sollte.
Allein  das  Glück  lächelte  unserm  Walter  Kirchhoff  nicht.  Der  Wettbewerb
  anderer,  schon  bestehender  Geschäfte  war  zu  groß.  Nach  drei
Jahren  schwerer  Krbeit  und  ununterbrochener  Sorgen,  nachdem  alle
Ersparnisse  aufgezehrt  und  die  Schulden  immer  mehr  gewachsen  waren,
sah  er  sich  gezwungen,  das  Geschäft  aufzugeben  und  zu  seiner  alten
Lohnbeschäftigung  zurückzukehren.  Um  die  Schulden  schneller  abzahlen
zu  können,  übernahm  seine  Frau  RKufwartedienste;  aber  ihr  schwächlicher
  Körper  war  der  schweren  Krbeit  nicht  gewachsen,  nach  kurzer
Seit  brach  sie  zusammen.  Und  da  ein  Unglück  sellen  allein  kommt,
hatte  ihn  dieselbe  Krankheit  bald  darauf  ergriffen  und  ihn  nun  bereits
26  Wochen  von  der  Krbeit  ferngehalten.  Jetzt  hörten  auch  die  Sahlungen
  der  Krankenkasse  auf,  und  die  letzte  Unterstützung  blieb  damit
aus.  Da  hatte  ihm  der  Arzt  geralen:  „MNehmen  sie  alle  Klebekarten,
die  Jie  auffinden  können,  gehen  Sie  nach  dem  Bureau  für  Invaliden-=versicherung,
  und  sehen  Sie  zu,  ob  Sie  nicht  eine  Invalidenrente  erlangen
hönnen.“

So  war  er  hierher  gekommen,  zur  Stätte  der  letzten  Hoffnung,
die  ihm  noch  blieb.  Die  Reihe  kam  auch  an  ihn,  und  er  trug  sein
Kliegen  dem  Beamten  vor.  „Wo  sind  die  Karten?“  fragte  dieser.

Nirchhoff  legte  seine  13  Narten  vor.  „Ich  finde  ja  hier  einen
Seitraum  von  drei  Jahren,  in  dem  gar  nicht  gehlebt  worden  ist;  wie
kam  das?“"  fragte  der  Beamte.  „Ich  bin  von  1905  bis  1908  selbständig
gewesen,“  sagte  Nirchhoff,  „und  wenn  jemand  selbständig  ist,  braucht  er
nicht  zu  kleben.“  „Swingen  kann  Sie  allerdings  niemand,  aber  jeder,
der  sich  seinen  Anspruch  auf  die  Wohltaten  der  Invalidenversicherung
wahren  will,  muß  ständig  einen  bestimmten  Beitrag  zahlen;  wenn  das
nun  kein  anderer  für  ihn  tut,  muß  er's  selber  machen.  Das  ist  ähnlich
  so  wie  bei  jeder  andern  Versicherung,  der  Lebens  und  Leuerversicherung.
  Wer  da  nicht  jährlich  seinen  Beitrag  zahlt,  kann  auch  keine
fnsprüche  mehr  geltend  machen.  Bei  der  Invalidenversicherung  ist
der  Beitrag  äußerst  gering.  Sie  brauchten  nur  alle  zwei  Jahre,  vom
AKusstellungstage  der  Quittungskarte  an  gerechnet,  20  Marken  der
niedrigsten  Lohnklasse  zu  16  fennig  zu  kleben,  also  alle  zwei  Jahre
3,20  Mark  oder  wöchentlich  etwa  3  Pfennig  zu  zahlen,  um  sich  eine
Rente  von  etwa  180  Mark  jährlich  zu  sichern.  Das  haben  Sie  aber  nicht

Stsebuch  für  Cbecklassen.  D.  39