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einmal  jemand  vor  Ihnen  den  Segen  der  Invalidenversicherung
bezweileln,  dann  erzühlen  Sie  dem  Zweifler  Ihre  Lebensgeschichte,
  dann  rechnen  Sie  ihm  lhre  Vorteile  aus  und  beweisen
ihm,  daß  Sie  der  Versicherung  die  Wiederherstellung  Ihrer  Gesundheit,
  ein  hollentlich  recht  langes  Leben  und  lhre  Mutter
ihr  einen  heitern  Lebensabend  verdanken.“

348.  Der  Tod  des  Ernährers.  Von  Max  Schön.

Es  ist  Sonnabendabend.  Die  Straßen  der  Stadt,  vor  kurzem
noch  mit  einer  hastenden  Menge,  mit  lärmenden  Fuhrwerken
angefüllt,  haben  sich  allmählich  geleert;  wenige  Leute  sieht  man  ihren
in  der  Vorstadt  belegenen  Wohnungen  zueilen.  Nur  ein  Mann
scheint  keine  Eile  zu  haben;  sein  Gang  ist  langsam,  unsicher,  als  ob
ihn  die  Beine  nicht  mehr  tragen  wollten.  Noch  kein  Jahr  ist  es
her,  da  sah  unser  Anton  Hellriegel  noch  mit  Verachtung  auf  alle
herab,  die  sich  dem  Teufel  Alkohol  verschrieben  hatten,  die  Bier
und  Schnaps  des  sichern  Ganges  beraubte.  15  Jahre  hat  er  mit
seinem  treuen  Weibe  Maria  ein  geordnetes  Leben  geführt,  kein
leichtes  Leben,  denn  die  fünf  Kinder,  die  ihm  der  Himmel  im  Laufe
der  Jahre  bescherte,  wollten  unterhalten  sein;  aber  es  war  doch  gegangen,
  zumal  da  seine  Maria  ihm  helfend  zur  Seite  stand.  Sie
hatte  die  Reinigung  eines  Hauses  übernommen  und  verdiente  damit
die  Miete  und  noch  einige  Mark  im  Monat  dazu.  Da  hatte  sie  sich
im  letzten  Winter  auf  dem  zugigen  Hausflur  durch  Erkältung  eine
Lungenentzündung  zugezogen,  die  sie  zwang,  die  Hausreinigung  aufzugeben.
  Sie  hatte  auch  keine  neue  mehr  annehmen  können,  da
von  der  Entzündung  ein  Fehler  in  der  Lunge  zurückgeblieben  war.
So  hatte  sich  Hellriegel  zum  ersten  Male  verlciten  lassen,  eine  Wirtschaft
  aufzusuchen,  um,  wie  er  sagte,  seinen  Kummer  zu  vertrinken.
Und  nur  zu  bald  hatte  ihn  der  Teufel  Alkohol  in  seinen  Krallen.  Er
wurde  ein  ständiger  Wirtshausbesucher,  und  kam  er  heim  zu  der
kranken  Frau,  die  stets  das  Bett  hüten  mußte,  dann  fing  er  Streit
an  und  warf  mit  Schimpfworten  um  sich.  Auch  heute  kam  er  wieder
schimpfend  heim.  Sein  Arbeitgeber  hatte  ihm  für  die  Klebemarken
sechs  Psennig  mehr  abgezogen,  weil  der  Beitrag  erhöht  worden  war.
„Erst  haben  wir  Marken  zu  30  Pfennig  geklebt,  dann  zu  36  Pfennig,
  und  nun  müssen  wir  gar  48  Pfennig  zahlen.  Als  ob  das
Kleben  überhaupt  einen  Zweck  hätte!  70  Jahre  wird  unsereins  doch
niemals.“  „Wenn  du  so  weitertrinkst,  wirst  du  allerdings  nie  so  alt