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Begeisterung,  mit  der  die  Bewohner  der  alten  Lande  dem  Einzug
ihres  Kaisers  und  Herzogs  entgegensahen.  Zu  Tausenden  waren
sie  zusammengeströmt,  um  in  Gemeinschaft  mit  ihm  das  Gedächtnis
der  Einverleibung  des  Landes  in  den  Preußischen  Staat  zu  begehen;
in  seiner  Gegenwart  sollte  das  herrliche  neue  Reiterstandbild  des
Großen  Kurfürsten  enthüllt  werden.

Die  Sonne  lachte  auf  den  rauschenden  Rheinstrom,  auf  die
hochragenden  Zinnen  der  alten  Schwanenburg,  auf  die  festlich  geschmückten
  Straßen  und  Plätze  der  Stadt  hernieder.  Goldig  sunkelte
ihr  Licht  durch  die  Wipfel  der  Bäume  des  „Tiergartens“.  In  das
Nauschen  der  Bäume  mischten  sich  die  machtvollen  Glockenklänge,  die
von  den  Türmen  der  Stadt  zum  „Stillen  Winkel“  hinüberklangen.
Die  Stadt  Cleve  besitzt  eine  Glocke,  die  folgende  Juschrift  trägt:

„Ick  heyt  boose  gramme  Griet,
Als  ick  flaa,  so  slaa  ick  met  verdriet."“

Heute  hat  auch  die  böse  heisere  Grete  ihren  Verdruß  vergessen
und  jubeltönig  den  Willkommengruß  dem  Kaiserpaare  entgegengesandt.
Wie  sollte  sie  auch  zurückbleiben,  wenn  tausend  Herzen  treuer  Untertanen
  dem  Herrscherpaar  in  Liebe  und  Dankbarkeit  entgegeniubelten!

Um  11  Uhr  morgens  suhr  der  kaiserliche  Sonderzug  in  den
Bahnhof  „Stiller  Winkel“  ein.  Nachdem  der  Oberpräsident  der  Rheinprovinz
  das  Kaiserpaar  begrüßt  hatte,  setzte  sich  der  Festzug  in
Bewegung.  Voran  ritt  auf  prächtigen  Rossen  ein  Ehrengeleit  von
60  Landleuten  in  schmucker  Reitertracht.  Der  kaiserliche  Nierstemner
wurde  von  einer  Schwadron  Düsseldorfer  Ulanen  begleitet.  Uberall
erscholl  braufendes  Hochrufen  der  Menge.

Ein  wahrhaft  farbenprächtiges  Bild  bot  sich  dem  Auge  am
Amphitheater.  Von  den  waldumkränzten  Höhen  grüßten  die  hellen
Stimmen  weißgekleideter  Mädchen.  Der  Bürgermeister  von  Cleve
trat  an  den  kaiserlichen  Wagen  heran,  um  den  Willkommgruß  der
Bürgerschaft  zu  entbieten.  Dem  Bürgermeister  folgte  sein  jugendliches
  Töchterchen.  Mit  glockenheller  Stimme  brachte  es  dem  Kaiserpaar
  einen  poetischen  Festgruß  dar  und  überreichte  der  Kaiserin
einen  Blumenstrauß.

„Wenn  ich  in  meinem  Märchenbuch  gelesen,
So  war  das  Allerschönste  stets  darin

Vom  guten  König,  von  der  Königin,

Die  gar  so  lieb  und  fromm  und  schön  gewesen.
Oh,  welchen  Tag  in  meinem  jungen  Leben
Bringt  heute  mir  die  blüh’'nde  Sommerzeit!
Durch  meine  Kinderseele  geht  ein  Beben:

Das  schönste  Märchen  wurde  Wirklichkeit!“