10

gebührt  meiner  Ansicht  nach  der  Regierung  die  Initiative  und  vor  allem
die  ersse  Verantwortlichkeit.  Ich  will  nicht  dadurch,  daß  ich  das  Votum
ihr  heite  bringe,  ihre  Verantwortlichkeit  ihr  abnehmen“.

As  Haupt=  und  wohl  auch  als  eiuflußreichster  Redner  gegen  die  fragliche
  Resolution,  also  für  Beibehaltung  der  Goldwährung,  trat  der  eigentliche
  Vater  der  letzteren,  Herr  Dr.  Bamberger,  auf.  Die  Rede,  welche
er  hiel.,  ist  ein  wahres  Meisterstück  parlamentarischer  Beredsankeit,
und  virdient  daher  von  einem  jeden  sich  für  die  Sache  Interessirenden
ihrem  Wortlaute  nach  gekannt  und  genau  geprüft  zu  werden.  Es  erscheint
dies  aler  um  so  nothwendiger,  als  die  Wiedergabe  palamentarischer  Reden
in  der  Tagespresse  in  der  Regel  nicht  nur  sehr  abgekürzt,  sondern  auch  je
nach  der  politischen  Richtung  des  betreffenden  Blattes  anders  gefärbt  erscheiut.
  Was  in  den  eigenen  Kram  paßt  wird  aufgenommen,  was  nicht
paßt,  fortgelassen;  die  oft  unwiderleglichen  Thatsachen  und  Ausführungen
des  politischen  Geguers  werden,  auch  wenn  es  sich  um  rein  wirthschaf
  liche  Fragen,  die  mit  der  Politik  gar  nichts  zu  schaffen  haben,
handelt,  von  vornherein  als  „bekannte,  läugst  widerlegte  Irrthümer",  die
Gründ"  als  „Scheingründe“  bezeichnet  und  der  Redner  wird  als  „Vertreter
rein  pe  sönlicher  Interessen“  zu  verdächtigen  gesucht;  während  jeder  Widerspruch,
  von  Seiten  des  politischen  Freundes,  auch  wenn  er  noch  so
nichtssegeud  und  fadenscheinig  ist,  eine  „meisterhafte  Widerlegung“,  die
hohlstei  Phrasen  „scharfsinnige  Gründe“  genannt  werden  und  dem  Redner
schließlich  das  Zeugniß  ausgestellt  wird,  daß  er  sich  durch  seine  Rede  um
die  Wehlfahrt  des  gesammten  Volkes  hochverdient  gemacht  habe.  Wer  denn
in  derartigen  politischen  Parteiblättern  nach  Belehrung  sucht,  der  findet
zwar  alles  Mögliche  nur  Eines,  die  Hauptsache,  nämlich  die  volle  Wahrheit
  richt.

Unter  solchen  Umständen  haben  wir  geglaubt,  daß  es  Jedem,  der  sich
durch  ei  jene  Prüfung  in  der  nichts  weniger  als  „ver  wickelten“  Währungsfrage
  en  richtiges  Urtheil  bilden  will,  erwünscht  sein  werde,  die  wirkungsvolle
  Rede  des  Herrn  Bankier  Dr.  Bamberger  vom  6.  März  1885  in
ihrem  vollen  und  ganzen  Wortlante,  nach  den  stenographischen  Berichten,
kennen  zu  lernen  und  dabei  zugleich  Schritt  vor  Schritt  zu  erfahren,  was
denn  etwa  gegen  die  in  ihr  entwickelten  finanzwissenschaftlichen
Ansichten  vom  land=  und  volkswirthschaftlichen  Standpunkte  aus
sich  ein  venden  lasse.

De  Begründung  der  oben  angeführten  Resolution  hatte  Herr  von
Kardorff  übernommen,  und  da  dieser  Herr  im  Eingange  seiner  Rede
einen  geschichtlichen  lberblick  über  die  Eutstehung  des  Währungsgesetzes  gab,