11

so  dürfte  es  zweckdienlich  sein,  diesen  Eingang,  ebenfalls  nach  den  steno—
graphischen  Berichten,  der  Rede  Herrn  Bambergers  vorauszuschicken.

Herr  von  Kardorff  sagte:

„Meine  Herren,  es  ist  nur  noch  eine  verhältnißmäßig  geringe  Anzahl
von  Mitgliedern  in  diesem  Hause,  welche  an  den  Berathungen  über  das
deutsche  Münzgesetz  im  Jahre  1871  theilgenommen  haben.  Eine  große
Anzahl  von  neuen  Abgeordneten  ist  gerade  in  dieser  Session  in  den  Reichstag
  eingetreten,  und  ich  fürchte  kanm  fehlzuschließen,  wenn  ich  annehme,  daß
diese  eben  eingetretenen  Herren  sich  vielleicht  mit  jeder  anderen  wirthschaftlichen,
  politischen  oder  sozialen  Frage  eher  beschäftigt  haben  als  mit  derjenigen
  Frage,  für  welche  ich  heute  die  Anfmerksamkeit  des  Reichstages  in
Anspruch  nehmen  möchte,  nämlich  mit  der  Währungsfrage.  Ich  schicke  das
voraus,  um  es  zu  rechtfertigen,  wenn  ich  einen  ganz  kurzen  historischen
Rückblick  werfe  auf  die  Geschichte  unseres  Münzwesens  seit  dem  Jahre  1871;
und,  meine  Herren,  ich  will  gleich  eins  dabei  vorausschicken,  um  allen  Mißverständnissen
  vorzubengen“.

„Weder  im  Jahre  1871  noch  heute  noch  in  der  ganzen  Zwischenzeit  ist
irgend  jemand  darüber  im  Zweifel  gewesen,  daß  der  Erlaß  eines  einheitlichen
  Münzgesetzes  für  das  deutsche  Reich  ein  Akt  von  der  höchsten  wirthschaftlichen,
  von  der  höchsten  politischen,  von  der  höchsten  nationalen  Bedeutung
  war.  Meine  Herren,  durch  dieses  Münzgesetz  wurde  dem  Münzwirrwarr,
  dem  Münzunfug  —  wenn  ich  mich  dieses  Ausdrucks  bedienen
darf  —,  der  bis  dahin  in  Deutschland  herrschte  —  ich  erinnere  Sie  nur
an  die  große  Zahl  der  ungedeckten  Banknoten,  die  damals  auch  noch  umlief,
die  wir  später  durch  das  Bankgesetz  beseitigt  haben  —,  endgiltig  ein  Ende
gesetzt;  es  wurde  eine  einheitliche  nationale  deutsche  Münze  geschaffen,  und,
meine  Herren,  es  soll  meinem  verehrten  Gegner,  dem  Herrn  Abgeordneten
Dr.  Bamberger  unvergessen  bleiben,  daß  er  es  gewesen  ist,  der  von  Anfang
des  Reichstages  an  mit  aller  Lebhaftigkeit  und  mit  aller  Energie  darauf
hingedrängt  hat,  daß  Deutschland  diese  Frage  lösen  müsse,  daß  es  diesen.
wichtigen  Akt  für  seine  wirthschaftliche  Entwickelung  vollziehen  solle".

„Meine  Herren,  es  kann  auch  heute  kaum  unsere  Aufgabe  sein,  in  eine
Erörterung  darüber  einzutreten,  ob  zu  damaliger  Zeit  das  deutsche  Reich
und  der  Reichstag  recht  daran  that,  die  Goldwährung  zu  wählen,  ob  er
nicht  vielleicht  vorsichtiger  gehandelt  hätte,  wenn  er  dasjenige  System  beibehalten
  hätte,  welches  in  Deutschland  meistens  galt,  also  die  Silberwährung
mit  der  subsidiären  Goldprägung,  oder  ob  es  nicht  besser  gewesen  wärc,  sich
dem  Bimetallismus  anzuschließen,  wie  er  in  der  lateinischen  Münzkonvention
oder  in  Frankreich  bestand“.