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„Meine  Herren,  die  Erörterung  dieser  Fragen  hat  heute  wirklich  nur
einen  akademischen  Werth;  wir  haben  uns  heute  nur  mit  den  Thatsachen
zu  bes  häftigen,  daß  das  deutsche  Reich  die  Goldwährung  im  Prinzip  adoptirt
hat,  daß  es  sie  auch  bis  zu  einem  gewissen  Grade  durchgeführt  hat,  und
daß  es  dann  in  der  Durchführung  stehen  geblieben  ist,  die  Silberverkäufe,
die  weitere  Anschaffung  des  Goldes  durch  die  weitere  Fortsetzung  der  Silberverkäufe
  sistirt  hat,  und  daß  wir  damit  in  einen  Zustand  hineingerathen
sind,  ter  nach  einer  allgemein  üblichen  technischen  Bezcichnung  hente  als  die
„hinke  ide  Währung“,  glaube  ich,  ganz  treffend  gekennzeichnet  wird.  Unsere
Aufgate  wird  es  also  sein,  zu  prüfen,  inwieweit  die  seit  Erlaß  des  deutschen
Münz  zesetzes  von  1871  verfolgte  Münzpolitik  den  Bedürfnissen  der  deutschen
Natio!,  den  allgemeinen  inneren  wirthschaftlichen  Bedürfnissen  der  Nation
und  d'n  internationalen,  dem  Handelsverkehr  der  Nation,  dienlich  gewesen
ist,  in  vicweit  auch  die  seit  Sistirung  der  Silberverkäufe  befolgte  Politik  des
deutschen  Reiches  durch  die  Umstände  geboten,  inwieweit  sie  angezeigt  war,
inwieweit  unsere  heutige  Münzxolitik  etwa  der  Acnderung  bedarf,  inwieweit
Umstände,  die  jetzt  hervorgetreten  sind,  es  wünschenswerth  erscheinen  lassen,
eine  Frinzipielle  Aenderung  unserer  Münzpolitik  eintreten  zu  lassen“.

,  Denn,  meine  Herren,  das  zeigte  sich  ja  sehr  bald,  daß  diejenigen  Vorausset
  ungen,  unter  denen  das  dentsche  Reich  seinerzeit  die  Goldwährung
adoptirte,  großentheils  hinfällig  geworden  waren.  Ich  will  gar  keinen  Werth
darau  legen,  will  das  gar  nicht  besonders  hervorheben,  daß  eine  dieser
Vorinssetzungen  auch  die  war,  daß  alle  Staaten,  unsere
  n  Beispiele  folgend,  möglichst  schnell  die  Gold—
wäherung  adoptiren  würden,  so  daß  wir  damals  glaubten,  nur
Högli  hst  schnell  diesen  Vorsprung  vor  den  anderen  Nationen  gewinnen  zu
müssen.  Meine  Herren,  in  der  Beziehung  hat  ja  die  Erfahrung  das  Gegentheil
  gezeigt.  Nur  kleine  Länder,  deren  Verkehr  gar  nicht  nennenswerth
mitspricht  in  dem  großen  Weltverkehr,  einzelue  skandinavische  Länder  haben
die  Eoldwährung  adoptirt,  während  das  große  und  wichtige  Kulturland  der
Verei  #igten  Staaten,  welches  die  Goldwährung  allerdings  auf  höchst  drollige
Weise  zur  Zeit  seiner  Papierwährung  durch  ein  Versehen  bekommen  hatte,
defiui  iv  von  der  Goldwährung  so  weit  zurückgetreten  ist,  daß  es  durch  die
zwank  sweise  Wiederausprägung  einer  vollwerthigen  Silbermünze  in  einer
bestin  mten  Grenze,  mit  einem  bestimmten  Limitum,  wieder  angcordnet  hat.
Also,  meine  Herren,  diese  Voranssetzung  war  auch  hinfällig;  aber  ich  möchte
kein  großes  Gewicht  darauf  legen“.

„Weit  mehr  Gewicht  ist  schon  darauf  zu  legen,  daß  andere  Voraussetzungen
nicht  zutrafen,  von  welchen  man  bei  Einführung  der  Goldwährung  auch