24

Warum  wäre  es  aber  ein  Sprung  ins  Dunkle  gewesen,  wenn
vir  uns,  wie  dies  wirklich  sachverständige  Volkswirthe  s.  Z.  verlugten,
  der  lateinischen  Münzconvention  angeschlossen  hätten?  Ist
denn  die  Doppelwährung  etwas  dunkles?  Sie  besteht  ja  seit  dem  Jahre
1803  in  Frankreich  und  würde  grade  dieses  Land,  trotz  der  vielen
s  aatlichen  Umwälzungen,  welche  es  seit  jener  Zeit  erfuhr,  dieselbe
23  Jahre  lang  beibehalten  haben,  wenn  die  Doppelwährung  eine
„  unsolide,  allen  Erschütterungen  preisgegebene“  Währung
räre,  und  sich  daher  die  Nation  nicht  wohl  bei  derselben  befunden
bätte?  Ist  es  denkbar,  daß  die  Franzosen  sich  bei  ihrer  Doppelmährung
  83  Jahre  lang  beruhigt  hätten,  wenn  es  wahr  wäre,  was
Herr  Dr.  Bamberger  von  derselben  sagt?

Wenn  sich  in  der  letzten  Zeit  Frankreich  genöthigt  gesehen  hat,
die  Silberprägung  einzustellen,  so  geschah  dies  nur  deshalb,  weil  wir
vorher  schon  nicht  nur  das  Gleiche  thaten,  sondern  auch  weit  über
die  Hälfte  unseres  Silbers  auf  den  Silbermarkt  warfen  und  dadurch
dis  Silber  verbilligten.  So  lange  England  allein  die  Goldwährung
hitte,  konnten  die  Länder  der  lateinischen  Münzconvention  durch  ihre
f  eie  Prägung  das  Werthverhältniß  von  Gold  und  Silber  wie  1:  15½
a#frechterhalten;  denn  wenn  auch  das  europäische  England  die  Goldn
  ährung  hat,  so  hat  doch  das  britische  Reich  im  gewissen  Sinne  die
Doppelwährung,  denn  in  seinen  asiatischen  Besitzungen,  in  Britisch-Indien,
nit  seinen  239  Millionen  Einwohnern  gilt  die  Silberwährung.  Ob
ader  England  für  seine  europäischen  Besitzungen  nur  Gold  und  für
seine  asiatischen  nur  Silber,  oder  ob  es  für  beide  gleichmäßig  Gold
nad  Silber  prägt,  das  läuft  schließlich  bezüglich  seines  Bedarfs  an
Münzmetall  auf  eins  hinaus;  England  ist  und  bleibt  trotz  seiner  Goldnährung,
  Indiens  wegen,  Silberkäufer.  Wir  dagegen  haben  nicht  nur
de  Silberkäufe  eingestellt,  sondern  wir  sind  auch  zu  Silberverkäufern
g  worden;  und  nun  mußten  die  Länder  der  lateinischen  Münzconvention
nothgedrungen  dem  Zufluß  des  überflüssig  und  darum  billiger  genordeuen
  Silbers  einen  Riegel  durch  Einstellung  der  Silberprägung
vurschieben.  Hierdurch,  durch  unsere  Schuld,  ist  nun  allerdings  die
französische  Doppelwährung  seit  einigen  Jahren  durchlöchert,  allein  in
der  Hauptsache  besteht  sie  noch  sowohl  gesetzlich  als  auch  in  der  Wirklichkrit,
  denn  in  Frankreich  kann  jede  beliebige  Zahlung,  wie  dies  auch  bei
u  is  bezüglich  der  Thaler  noch  der  Fall  ist,  ebensowohl  in  französischem
Silbergeld  als  in  Gold  gemacht  werden.  Und  es  kann  gar  keinem
Zweifel  unterliegen,  daß  die  Länder  der  lateinischen  Münzconvention