75

vielleicht  auch  unter  der  Goldwährung  in  einer  günstigen  Lage?  Wenn

Herr  Dr.  Bamberger  es  nicht  begreift,  daß  das  „deutsche  Reich“

die  Initiative  für  Einführung  der  Doppelwährung  ergreifen  soll,  so

denkt  er  dabei  offenbar  nur  an  die  Staatskassen,  die  Gläubiger,  die

Banken,  an  sich  selbst  und  seine  Geschäftsfreunde,  aber  für  die  Nothlage

aller  übrigen,  welche  die  große  Mehrzahl  des  deutschen  Volkes

ausmachen,  hat  er  weder  Auge  noch  Ohr.

F.  d.  R.  „Und  nun  wollen  Sie  wirklich,  meine  Herren,  dieses  deutsche
Reich,  das  sich  in  der  Handelspolitik  auf  den  Boden  gestellt
hat,  möglichst  wenig  Handelsverträge  machen  zu  wollen,  das  den  Satz  aus
gesprochen  hat,  wie  der  Reichskanzler  es  gethun:  in  jedem  Handelsvertrag
handelt  es  sich  nur  darum,  wer  den  anderen  betrügt,  —  dieses  Reich  sollte
sich  nun  einlassen  auf  internationale  Verträge!  für  sein  eigenstes  Blutsystem,
für  den  Inhalt  seiner  ganzen  #2?)  Verkehrsbewegung,  seiner  Zirkulation,
seines  Kredits  (im  Auslande)  soll  es  sich  die  Hände  binden  gegenüber  einer
ganzen  Anzahl  von  Staaten,  deren  guten  Glanben  ich  durchaus  nicht  für
alle  Zukunft  verbürgen  möchte,  die  aber  unabhängig  von  ihrem  guten  Glanben
gar  nicht  in  der  Lage  sind,  unter  allen  Umständen  das  zu  balten,  was  sie
versprechen!  Meine  Herren,  eine  Kalamität  kann  ein  Land  in  die  Nothwendigkeit
  versetzen,  sein  Geld  zu  verändern,  und  dagegen  hilft  kein  Vertrag,
und  alle  Münzverträge,  die  gemacht  worden  sind,  waren  nur  dazu  da,  um
zerrissen  zu  werden“.

Anm.  39.  Alle  diese  Redensarten  könnte  man  gelten  lassen,  wenn
es  nur  wahr  wäre,  daß  unter  den  gegenwärtigen  Verhältnissen  wenigsteus
  die  übergroße  Mehrzahl  der  Bevölkerung  und  namentlich  das
arbeitende,  produzirende  Volk  sich  wohlbefände;  allein  dies
ist,  wie  jedermann  weiß,  durchaus  nicht  der  Fall;  im  Gegentheil  sind
namentlich  die  Landwirthe,  insbesondere  der  so  zahlreiche  Bauernstand,
  bereits  in  einer  so  schlimmen  Lage,  daß  jeder  Sachverständige
sich  sagen  muß,  wenn  keine  Aenderungen  eintreten,  so  gehen  diese  Leute
ihrem  Untergange  entgegen;  und  an  dieser  schlimmen  Lage  hat  die  Goldwährnng
  einen  sehr  wesentlichen  Antheil.

Wir  unsererseits  vermögen  schlechterdings  nicht  zu  begreisen,  was
es  für  ein  Fehler  gewesen  wäre,  wenn  wir  anstatt,  wie  wir  im  Jahre
1873  auch  ohne  internationalen  Vertrag  thaten,  die  Goldwährung
  einzuführen,  uns  Frankreich  und  die  übrigen  Länder  der  lateinischen
  Münzconvention  zum  Muster  genommen  und  die  Doppelwährung
mit  freier  Prägung  eingeführt  hätten.  Wir  wären  recht  begierig  zu
erfatren,  welches  Unheil  denn  daraus  für  uns  entstanden  wäre?