Die  Vermuthung,  daß  der  nun  schon  seit  vielen  Jahren
anhaltende  und  stets  zunehmende  Abfluß  des  Silbers  nach
Ostasien  sich  auf  den  hiesigen  Geldmarkt  fühlbar  machen  müsse,
liegt  so  nahe,  daß  sie  sich  Jedem,  der  nur  einen  Augenblick  über
diesen  Gegenstand  nachdenkt,  von  selbst  aufdrängt.

Unstreitig  wirkten  auch  andere  Umstände,  wie  Staatsanleihen,
  collossale  industrielle  Unternehmungen,  Errichtungen  von
Bankvereinen  u.  s.  w.  dazu  mit,  die  anhaltende  Geldklemme
herbeizuführen.  Indeß  können  die  Wirkungen  solcher  Ursachen
doch  nicht  lange  dauern.  Die  Capitalien  werden  bei  manchen
derselben  sogleich,  bei  anderen  in  kürzerer  oder  längerer  Zeit
wieder  flüssig.  Man  könnte  sie  zum  Theil  aufsteigenden  Dünsten
vergleichen,  die  sich  in  Wolken  sammeln  und  dann  als  Regen
herniederfallen,  um  die  dürre  gewordene  Erde  zu  befeuchten  und
fruchtbar  zu  machen.

Ganz  anders  verhält  es  sich  mit  den  von  unabhängig  erwähnten
  Geschäften  in  enormen  Ouantitäten  sich  bewegenden
edlen  Metallen.  Letzteren  wollen  wir  unsere  Aufmerksamkeit
widmen,  und  zwar  mit  Silber  anfangen,  weil  sich  hierauf  allein
die  hiefige  Geldcirculation  gründet.

Schon  in  den  Jahren  1853  und  54  stiegen  die,  bereits
seit  dem  vorigen  Jahrhundert  nicht  unbedentenden  Silber-Verschiffungen
  von  England  nach  China  und  Ostindien  zu  einer,
bis  dahin  unerhörten  Größe,  so  daß  die  Vorräthe,  welche  die
Bank  von  England  früher  an  Silber-Barren  enthielt,  längst
geräumt  sind,  und  da  das  englische  Silbergeld  zu  einem  Münzfuße
  ausgeprägt  wird,  der  dessen  Ausfuhr  nur  mit  Verlust  ermöglicht,
  so  mußten  die  Einführungen  aus  Mexico,  Südamerika
und  vom  europäischen  Continente  gleich  bei  ihrer  Ankunft  zu
jenen  Verschiffungen  verwandt  werden.  Zwar  sind  England