Ergebnisse  der  amtlichen  Pockentodesfallstatistik  im  Deutschen
Reiche  vom  Jahre  1896,  nebst  Anhang,  betreffend  die  Pockenerkrankungen
  im  Jahre  1896.

Berichterstatter:  Regierungsrath  Dr.  Kübler.

Während  des  Jahres  1896  ist  die  Zahl  der  Pockentodesfälle  1)  im  Deutschen  Reiche
noch  erheblich  unter  die  Ziffer  des  Vorjahres  gesunken,  welche  bereits  die  niedrigste  seit  Beginn
der  amtlichen  Erhebungen  im  Jahre  1886  gewesen  war;  es  wurden  10  Todesfälle  an  Pocken
zur  amtlichen  Kenntniß  gebracht  gegen  27  im  Vorjahre  und  116  im  Durchschnitt  des  zehnjährigen
  Zeitraums  1886/95.  Auf  je  eine  Million  Einwohner  kamen  Todesfälle  an  Pocken
im  Jahre  1896  0O/10,  im  Vorjahre  0),562  im  zehnjährigen  Durchschnitt  1886/95  2,84.

Die  10  Pockentodesfälle  des  Berichtsjahres  vertheilen  sich  auf  9  Ortschaften,  von
denen  7  in  Preußen,  je  1  in  Bayern  und  im  Königreich  Sachsen  gelegen  sind.  Zu  einer
größeren  Verbreitung  der  Seuche  in  einem  Orte  kam  es  nirgends;  nur  in  einer  Gemeinde
wurden  2  Todesfälle  festgestellt,  alle  übrigen  Fälle  blieben  vereinzelt.  7  Pockentodesfälle
entfallen  auf  die  nahe  den  Grenzen  des  Reiches  gelegenen  Verwaltungsbezirke  (Kreise  rc.)

Von  den  8  aus  Preußen  gemeldeten  Pockentodesfällen  erfolgten  6  in  Kreisen,  welche
nahe  der  russischen  oder  österreichischen  Grenze  liegen.  Aus  Bayern  ist  nur  aus  dem
an  der  böhmischen  Grenze  liegenden  Bezirk  Cham  der  Tod  einer  59  jährigen  Taglöhnerswittwe
  gemeldet;  im  Königreich  Sachsen  starb  eine  Feldarbeiterin,  die  erst  kurz  vorher
aus  Rußland  zugereist  war.  —  Näheres  über  die  Verbreitung  der  Pocken,  sowie  über  den
Impfzustand  der  Gestorbenen  ist  aus  dem  „Anhang,  betreffend  die  Pockenerkrankungen  im
Jahre  1896"  zu  ersehen.

Das  Lebensalter  der  10  an  den  Pocken  verstorbenen  Personen  ergiebt  sich  aus  der

nachstehenden  Uebersicht.
lSiehe  Tabelle  auf  Seite  2.1

Die  Namen  der  nahe  der  Grenze  gelegenen  Kreise  sind  durch  fetten  Druck  hervorgehoben.
Hiernach  kamen  von  den  10  Pockentodesfällen  2  auf  Kinder  des  1.  Lebensjahres,
welche  nach  amtlicher  Feststellung  noch  nicht  geimpft  waren.  Sterbefälle  von  Kindern  des
2.  Lebensjahres  waren  nicht  zu  verzeichnen.  In  der  Altersklasse  vom  3.—10.  Lebensjahre
  starb  ein  7  jähriges  Mädchen,  welches  ebenfalls  noch  nicht  geimpft  war.  In  der

1)  In  den  Berichten  des  Kaiserlichen  Gesundheitsamtes  finden  alle  Todesfälle
und  Erkrankungen  Aufnahme,  welche  im  Deutschen  Reiche  amtlich  als  Pocken,  Blattern,
Variola  oder  Variolois  festgestellt  werden.

Mediz.-stat.  Mittheil.  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte.  Band  V.  1