Anhang.
Die  Pockenerkrankungen  im  Jahre  1896.

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Nach  den  für  das  Jahr  1896  beim  Kaiserlichen  Gesundheitsamte  eingegangenen
Meldekarten  sind  in  den  24  außerpreußischen  Bundesstaaten  und  in  Elsaß-Lothringen  1)  im
Ganzen  22  Erkrankungen  an  Pocken  zur  amtlichen  Kenntniß  gelangt,  darunter  2—  9,½  %
mit  tödtlichem  Ausgang.  2)  Unter  den  Erkrankten  befanden  sich  8  aus  Rußland  krank
zugereiste  landwirthschaftliche  Arbeiter  oder  Arbeiterinnen,  2  auf  der  Durchreise  begriffene
russische  Auswanderer  und  1  zwar  in  Deutschland  geborener,  aber  aus  dem  Auslande  krank
zugereister  Steward.  Da  die  Gesammtbevölkerung  des  Reiches  mit  Ausschluß  von  Preußen
sich  nach  der  letzten  Volkszählung  auf  20  424778  und  für  die  Mitte  des  Berichtsjahres
nach  üblicher  Schätzung  auf  20  536  040  belief,  so  sind  auf  je  1  Million  Einwohner  innerhalb
  Jahresfrist  nur  1/°:  Personen  an  den  Pocken  erkrankt.  Die  Verhältnißziffer  stellt  sich
noch  bedeutend  niedriger,  wenn  man  die  krank  zugereisten  Ausländer  in  Abzug  bringt.

Von  den  22  Pockenerkrankungen  wurden  beobachtet:  1  in  Bayern,  9  im  Königreich
Sachsen,  3  in  Mecklenburg-Schwerin,  1  in  Mecklenburg-Strelitz,  3  in  Braunschweig,  2  in
Reuß  j.  L.  und  3  in  Hamburg.  In  17  Bundesstaaten  und  in  Elsaß-Lothringen  sind  Erkrankungen
  an  Pocken  nicht  zur  Anzeige  gelangt.

In  Bayern  erkrankte  im  März  zu  Runding,  Bezirk  Cham,  hart  an  der  böhmischen
Grenze  eine  59  jährige  Tagelöhnerswittwe,  die  als  Kind  erfolgreich  geimpft  aber  nicht
wiedergeimpft  war,  und  starb  nach  einer  Krankheitsdauer  von  etwa  4  Wochen.  Die  Ansteckung
  ist  nicht  nachgewiesen.  Nach  einem  Vermerk  auf  der  Meldekarte  herrschten  unter
den  Kindern  am  Orte  zu  gleicher  Zeit  Varicellen.

Im  Königreich  Sachsen  gelangten  aus  3  Gemeinden  9  Pockenerkrankungen  zur
Anzeige,  davon  1  mit  tödtlichem  Ausgange.

In  Waldkirchen,  Amtshauptmannschaft  Flöha,  unweit  der  böhmischen  Grenze,
kamen  zu  Anfang  des  Jahres  7  leichte  Pockenfälle  bei  Kindern  vor.  Am  6.  Januar  erkrankte
  die  7  ährige  Tochter  eines  Spielwarenfabrikanten.  Die  Ansteckung  blieb  unbekannt;
es  wird  zwar  angeführt,  daß  vor  Weihnachten  in  Zschopau  Kleidungsstücke  gekauft  worden

1)  Die  aus  Preußen  eingegangenen  Meldekarten  werden  weiter  unten  besonders  besprochen.

2)  In  Oesterreich-Ungarn  sind  nach  vorläufigen  Mittheilungen  während  des  Jahres  1896
2668  Pockenerkrankungen  mit  410  =  15,,  %  Todesfällen  gemeldet  worden,  hiervon  betrafen  1641  mit
127  —  7,,  0%  geimpfte  und  1022  mit  283  =  27,v  0  ungeimpfte  Personen.  (Oesterr.  San.-W.  1897,  S.  132.)

In  Italien  sind  im  Jahre  1896  9086  Pockenerkrankungen  angezeigt.  (Bergl.  Veröffentl.  des
Kaiserl.  Gefundheitsamtes  1897,  S.  887.)