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sind,  jedoch  soll  dort  auch  kein  Pockenfall  vorgekommen  sein.  Nach  diesem  Kinde  erkrankten
am  12.  Januar  zwei  Schwestern  desselben  im  Alter  von  5  und  2  Jahren,  einen  Tag  vorher
ein  7  jähriges  Mädchen  in  einer  anderen  Familie,  bei  welcher  die  zuerst  Erkrankte  einen  Besuch
gemacht  hatte.  Ferner  erkrankten  in  einer  weiteren  Familie,  deren  Kinder  mit  dem  letztbezeichneten
  Mädchen  verkehrt  hatten,  3  Kinder,  nämlich  am  1.  Februar  ein  7  Jahre  altes  Mädchen
und  etwa  10  Tage  später  2  Brüder  desselben  im  Alter  von  2  ½.  Jahren  und  von  2  Monaten.

Alle  Kinder,  mit  Ausnahme  des  Säuglings,  waren  im  1.  Lebensjahre  mit  Erfolg  geimpft.

Nach  Inhalt  der  Meldekarten  ist  es  zweifelhaft,  ob  in  den  7  Fällen  in  Waldkirchen  wirklich  Pocken
vorgelegen  haben.  In  ärztlicher  Behandlung  waren  nur  die  3  zuerst  Erkrankten,  welche  2½2—3  Wochen
krank  gewesen  sind.  Bei  dem  ersten  Falle  hat  jedoch  die  ärztliche  Behandlung  erst  9  Tage  nach  dem  als
Zeitpunkt  des  Beginns  angegebenen  Tage  angefangen;  damals  war  der  Ausschlag  bereits  im  Eintrocknen,
konnte  also  seiner  Natur  nach  kaum  mehr  deutlich  erkennbar  sein.  In  dem  3.  Falle  war  3  Tage  vor  dem
Beginn  der  als  „Pocken“  gemeldeten  Erkrankung  wegen  des  Bestehens  von  Diphtherie  eine  Serumeinspritzung
  vorgenommen  worden.  Außer  den  Kindern  der  erst  betroffenen  Familie  ist  von  den  Erkrankten
niemand  bettlägerig  gewesen;  die  3  Kinder  der  zuletzt  heimgesuchten  Familie  waren  nur  3  bezw.  1  Tag
krank.  Ihre  Krankheit  ist  auf  der  Meldekarte  als  „Varicellen“  bezeichnet.

Auf  dem  Vorwerk  Heiterer  Blick  bei  Taucha,  Amtshauptmannschaft  Leipzig,  erkrankte
  am  12.  April  eine  18  jährige  Feldarbeiterin,  welche  erst  am  10.  desselben  Monats
aus  ihrer  Heimath  Russisch-Polen  zugereist  war;  dieselbe  wurde  nach  einem  Krankenhause  in
Leipzig  gebracht,  wo  sie  starb.  Sie  war  nur  einmal  als  kleines  Kind  geimpft  worden  und
hatte  2  deutliche  Impfnarben.

In  Großs  chönau,  Amtshauptmannschaft  Zittau,  wurde  im  Juni  ein  31  jähriger
Schlossergeselle,  der  im  12.  Jahre  mit  Erfolg  wiedergeimpft  war,  von  den  Pocken  befallen;
der  Verlauf  war  leicht.  Die  Ansteckung  konnte  nicht  bestimmt  nachgewiesen  werden;  vermuthlich
  hat  sich  der  Mann  seine  Krankheit  in  dem  nahe  an  seine  Wohnung  grenzenden
Warnsdorf  in  Böhmen  zugezogen.

In  Mecklenburg-Schwerin  wurden  in  den  Gemeinden  Rosenow  bei  Sternberg
und  Suckow,  Kreisphysikatsbezirk  Güstrow,  3  Pockenerkrankungen,  bei  einem  18  jährigen
Arbeiter  und  bei  2  Arbeiterinnen  von  23  und  24  Jahren  festgestellt.  Diese  Leute  waren
am  10.  April  mit  einer  großen  Zahl  sogenannter  „Schnitter“  von  der  russischen  Grenze
angelangt  und  erkrankten  nach  wenigen  Tagen.  2  davon  waren  in  der  Kindheit  geimpft,
bei  der  einen  Arbeiterin  war  über  den  Impfzustand  nichts  zu  ermitteln,  da  sie  der  deutschen
Sprache  nicht  mächtig  war.  Der  Verlauf  der  Krankheit  war  bei  allen  3  leicht.

In  Mecklenburg-Strelitz  erkrankte  in  Klein-Daberkow,  Physikatsbezirk  Woldegk,
die  Schwester  der  in  Leipzig  an  den  Pocken  verstorbenen  Feldarbeiterin,  eine  21  Jahre
alte,  ungeimpfte  Schnitterin,  welche  auch  kurz  zuvor  aus  Rußland  zugereist  war,  schwer  an
konfluirenden  Pocken.

In  Braunschweig  wurden  in  der  Gemeinde  Eschershausen,  Kreis  Holzminden,
2  Arbeiterinnen  von  16  und  25  Jahren,  die  noch  nicht  geimpft  und  am  12.  April  ebenfalls
aus  Rußland  zugereist  waren,  von  den  Pocken  befallen.  Nach  ihrer  Angabe  soll  zur  Zeit  ihrer
Abreise  aus  der  Heimath  dort  eine  Pockenepidemie  geherrscht  haben.  Von  diesen  Kranken
wurde  die  Seuche  auf  eine  37  jährige  Frau,  die  im  13.  Jahre  mit  Erfolg  wiedergeimpft  war
und  diese  Arbeiterinnen  gepflegt  hatte,  übertragen.  In  allen  3  Fällen  handelte  es  sich  um
konfluirende  Pocken  mit  schwerem  Verlauf.

In  Reuß  j.  L.  erkrankte  Ende  März  in  Köstritz  eine  wenige  Tage  zuvor  aus
Rußland  zugereiste  Arbeiterin.  Dieselbe  war  angeblich  18  Jahre  alt  und  in  der  Kindheit
mit  Erfolg  geimpft.  Ferner  wurde  in  Pforten  eine  64  jährige  Kinderfrau,  welche  angab,
als  Kind  einmal  geimpft  worden  zu  sein,  aber  keine  sichtbaren  Impfnarben  hatte,  von  den