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in  Pillau  ein  89  jähriger  Arbeiter,  welcher  zuletzt  im  Alter  von  23  Jahren  als  Soldat
mit  Erfolg  wiedergeimpft  war,  leicht  an  diskreten  Pocken.  Die  Ansteckung  ist  in  beiden
Fällen  nicht  nachgewiesen;  der  Arbeiter  in  Pillau  war  auf  Schiffen  im  Hafen  beschäftigt
gewesen  und  hatte  insbesondere  Lumpen  (russisched)  verladen,  an  welchen  vielleicht  der  Ansteckungsstoff
  der  Pocken  gehaftet  hat.

Im  Reg.-Bez.  Gumbinnen  wurden  in  Griesen,  Kreis  Oletzko,  2  Schulkinder
von  6  und  7  Jahren,  die  beide  bei  der  Erstimpfung  mit  Erfolg  geimpft  waren,  zu  gleicher
Zeit  von  „Variolois“  befallen.  Der  Verlauf  der  Krankheit  war  sehr  leicht;  die  Ansteckung
ließ  sich  auch  hier  nicht  nachweisen.

Ob  es  sich  bei  den  Kindern  wirklich  um  Blattern  gehandelt  hat,  darf  bezweifelt  werden;  erst
14  Tage  nach  Beginn  der  Krankheit,  welche  nach  3  tägigem  Fieber  sehr  leicht  verlaufen  sein  soll  und  daher
damals  wohl  im  Wesentlichen  bereits  abgelaufen  gewesen  sein  dürfte,  wurden  die  Kinder  von  einem
Arzte  gesehen.

Im  Reg.-Bez.  Danzig  erkrankte  in  Neuteicherhinterfeld,  Kreis  Marienburg,
ein  34  jähriger  Arbeiter,  der  zuletzt  im  Alter  von  21  Jahren  als  Soldat  mit  Erfolg
wiedergeimpft  war,  mittelschwer  an  theilweise  konfluirenden  Pocken.  Auch  in  diesem  Falle
blieb  die  Entstehung  unbekannt.

Im  Reg.-Bez.  Marienwerder  kam  im  letzten  Drittel  des  Januar  in  Illowo,
Kreis  Flatow,  ein  „ziemlich  schwerer"  Pockenfall  bei  einer  53  jährigen  Schneiderin  vor,
welche  in  der  Jugend  einmal  mit  Erfolg  geimpft  aber  nicht  wiedergeimpft  war,  und  sich
in  der  Behausung  ihres  Ende  Dezember  1895  in  Danzig  1)  verstorbenen  Bruders  angesteckt
  hatte.

Im  Reg.-Bez.  Potsdam  waren  in  Zehdenick,  Kreis  Templin,  3  Kinder  einer
Familie  8—10  Tage  lang  leicht  an  „gutartigen“  Pocken  krank;  2  Kinder  im  Alter  von
7  und  4  Jahren  waren  mit  Erfolg  geimpft,  ein  Kind  von  10  Monaten  war  noch  nicht
geimpft.  Der  zuständige  Medizinalbeamte  hielt  die  Erkrankungen  nicht  für  wahre  Pocken.  —
Auf  dem  Bahnhof  Ruhleben  bei  Spandau  wurden  die  Pocken  bei  dem  4  jährigen,  ungeimpften
  Sohne  eines  amerikanischen  Farmers,  welcher  mit  seinen  Angehörigen  von  einer
Besuchsreise  aus  Rußland  am  22.  April  dort  eingetroffen  war,  festgestellt;  am  30.  April
erkrankte  ein  17  jähriger  Bruder  desselben,  der  am  25.  April,  also  schon  nach  erfolgter  Ansteckung,
  geimpst  war.  Der  Verlauf  war  bei  dem  zuerst  Erkrankten  leicht  und  gutartig,  bei
dem  zweiten  schwer  (zahlreiche  große  Pusteln).  Die  Ansteckung  ist  jedenfalls  in  Rußland
erfolgt,  wo  zur  Zeit  des  Ausenthalts  der  Familie  die  Pocken  geherrscht  haben  sollen.

Im  Reg.-Bez.  Frankfurt  gelangten  aus  Sorau  9  Pockenfälle  zur  Anzeige.  Ende
April  erkrankte  eine  15  jährige,  im  12.  Jahre  mit  Erfolg  wiedergeimpfte  Fabrikarbeiterin
leicht  an  diskreten  Pocken.  Die  Ansteckung  konnte  nicht  bestimmt  nachgewiesen  werden.
Hierauf  folgten  weitere  8  Pockenfälle,  davon  7  in  derselben  Straße,  in  welcher  der  erste
Fall  vorkam.  Ende  Mai  erkrankte  die  43  jährige,  ebenfalls  im  12.  Jahre  mit  Erfolg  wiedergeimpfte
  Frau  eines  Webers,  leicht  an  konfluirenden,  am  24.  Juni  eine  63  jährige,  nur
einmal  als  Kind  geimpfte  Arbeiterin  schwer  an  hämorrhagischen,  am  28.  Juni  eine  51  jährige,
ebenfalls  nur  einmal  geimpfte  Fabrikspulerin  und  am  6.  Juli  deren  22  jährige,  10  Jahre
vorher  mit  Erfolg  wiedergeimpfte  Tochter  leicht  an  diskreten  Pocken.  Am  8.  Juli  wurde
ein  55  jähriger  Webergeselle,  über  dessen  Impfzustand  nichts  zu  ermitteln  und  bei  welchem
Impfnarben  nicht  nachzuweisen  waren,  zuerst  leicht,  dann  aber  schwer  von  konfluirenden
Pocken  betroffen;  nach  9  Tagen  trat  infolge  von  Lungenentzündung  der  Tod  ein.  Am

1)  Bgl.  Med.-statist.  Mittheil,  aus  dem  Kaiserl.  Gesundheitsamte,  Band  IV,  S.  80.