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17.  Juli  erkrankte  eine  60  jährige  und  2  Tage  später  eine  38  jährige  Fabrikarbeiterin,  welche
beide  nur  einmal  in  der  Kindheit  geimpft  waren,  sehr  leicht  bezw.  mittelschwer  an  diskreten
Pocken.  Mitte  August  wurde  ein  noch  ungeimpftes  Kind  im  Alter  von  6  Monaten  mittelschwer
  von  diskreten  Pocken  befallen.

Im  Reg.-Bez.  Stettin  erkrankte  in  Woserow,  Kreis  Anklam,  ein  aus  Russisch-Polen
  stammender,  nicht  geimpfter  Schnitter  im  Alter  von  18  Jahren  mittelschwer  an
konfluirenden,  theilweise  hämorrhagischen  Pocken.  Die  Ansteckung  ließ  sich  nicht  nachweisen.

Im  Reg.-Bez.  Posen  gelangten  aus  9  Orten  15  Fälle  zur  Anzeige;  10  Erkrankungen
  entfielen  auf  6  Ortschaften  des  Kreises  Wreschen  und  waren  aus  den  russischen
Nachbargebieten,  wo  die  Pocken  heftig  austraten,  eingeschleppt.  —  In  Wreschen  selbst  erkrankte
  ein  36  jähriger,  zuletzt  als  12  jähriger  Knabe  wiedergeimpfter  Lokomotivführer  leicht
an  diskreten  Pocken,  vermuthlich  infolge  einer  Ansteckung  auf  dem  Grenzbahnhof  Stralkowo.  —
In  Groß  Ciesle  wurde  ein  25  Jahre  alter,  nicht  geimpfter,  landwirthschaftlicher  Arbeiter
aus  Rußland,  welcher  sich  kurz  vorher  die  zu  seiner  Verheirathung  nöthigen  Papiere  in
seiner  Heimath  beschafft  hatte,  schwer  von  konfluirenden  Pocken  befallen.  —  In  Gonice
starb  ein  etwa  9  Monate  altes,  ungeimpftes  Kind,  dessen  Mutter  eine  Woche  vor  Ausbruch
der  Erkrankung  aus  Russisch-Polen  Schweinefleisch  geholt  hatte.  —  In  Staw  starb  nach
4wöchentlicher  Krankheit  ein  7jähriges  Mädchen,  welches  vor  etwa  5  Jahren  aus  Rußland
mit  ihren  Eltern  zugezogen  und  noch  ungeimpft  war.  Einen  Tag  nach  diesem  Kinde
erkrankte  ein  9  jähriges,  im  2.  Lebensjahre  mit  Erfolg  geimpftes  Mädchen  in  leichter  Form.
In  beiden  Fällen  war  der  Ansteckungsstoff  vermuthlich  von  den  Müttern  der  Kinder
gelegentlich  von  Einkäufen  aus  Rußland  mitgebracht  worden.  Darauf  wurde  infolge  unmittelbarer
  Ansteckung  ein  1  jähriges,  nicht  geimpftes  Kind  von  zum  Theil  konfluirenden
Pocken  schwer  befallen.  Zuletzt  erkrankte  noch  ein  11  jähriges  Mädchen  leicht  an  diskreten
  Pocken.  Der  Impfzustand  konnte  nicht  ermittelt  werden,  Impfnarben  waren  nicht
vorhanden.  In  diesem  Falle  hatte  die  Ansteckung  durch  mittelbare  Uebertragung  von  Geschwistern
  pockenkranker  Kinder  stattgefunden.  —  In  Staw  zog  sich  durch  Berührung  mit
Pockenkranken  ein  11  jähriges,  im  1.  Lebensjahre  geimpftes  Mädchen  in  dem  Nachbarorte
Czekuszewo  die  Blattern  zu;  bei  ihr  steckte  sich  ein  im  gleichen  Hause  wohnender  45  jähriger
Arbeiter,  der  nur  einmal  als  kleines  Kind  geimpft  war,  an.  Beide  litten  an  konfluirenden
Pocken;  der  Verlauf  war  bei  dem  Kinde  leicht,  bei  dem  Manne  schwer.  Ferner  wurde  die
Krankheit  aus  Staw  in  ein  anderes  Nachbardorf  Wulka  verschleppt,  wo  eine  50  jährige,
nur  einmal  als  Kind  geimpfte  Dienstmagd  leicht  an  theilweise  konfluirenden  Pocken  erkrankte.
  —  2  Fälle  kamen  in  Podsamtsche,  Kreis  Kempen,  bei  einer  22  Jahre  alten,
nicht  geimpften,  vor  8  Jahren  aus  ihrer  Heimath  Rußland  zugezogenen  Arbeiterin  und  einem
ohne  Erfolg  geimpften  Knecht  gleichen  Alters  vor;  im  ersten  Falle  handelte  es  sich  um  konfluirende
  Pocken  schweren  Verlaufs,  der  Knecht  war  an  diskreten  Pocken  leicht  krank.  In
beiden  Fällen  ist  Ansteckung  von  Rußland  her  anzunehmen,  weil  in  dem  an  den  Kreis
Kempen  angrenzenden  russischen  Kreise  Pocken  herrschten.  —  In  Boleslawiec,  Kreis  Kempen,
wurde  eine  30  jährige  Gastwirthsfrau,  welche  mit  12  Jahren  angeblich  mit  Erfolg  wiedergeimpft
  war,  aber  keine  Impfnarben  hatte,  durch  einen  Pockenkranken  aus  Russisch-Boleslawiec
angesteckt.  Von  ihr  wurde  die  Krankheit  auf  ihr  5  Monate  altes,  ungeimpftes  Kind  übertragen.
  Beide  starben.  —  In  Zduny,  Kreis  Krotoschin,  erkrankte  ein  6  jähriger  Waisenknabe,
  welcher  einmal  als  Kind  mit  Erfolg  und  im  7.  Lebensjahre  vermuthlich  im  Beginne
der  Erkrankung  (Angabe  über  den  Tag  der  Impfung  ist  nicht  gemacht)  wiedergeimpft  war,
an  modifizirten  Pocken.  Ueber  die  Ansteckung  wurde  nichts  ermittelt.