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Im  Reg.-Bez.  Bromberg  erkrankten  in  Zolondowo,  Landkreis  Bromberg,
3  Brüder  im  Alter  von  16,  5  und  2  ½  Jahren.  Der  älteste  war  als  Schnitter  im  Kreise
Schwetz  beschäftigt  gewesen  und  kehrte  krank  von  dort  zurück,  genas  aber  bereits  nach
12  Tagen,  ohne  ärztlich  behandelt  zu  sein.  Am  11.  Tage  nach  seiner  Rückkehr  erkrankte
der  eine  und  7  Tage  nach  diesem  der  andere  Bruder.  Auch  diese  beiden  Erkrankungen
verliefen  leicht.  Alle  3  Brüder  waren  mit  Erfolg  geimpft,  der  älteste  auch  mit  Erfolg
wiedergeimpft.

Nach  dem  vorstehenden  Sachverhalte  ist  es  zweifelhaft,  ob  in  diesen  3  Fällen  echte  Pocken  bestanden
  haben.

In  Inowrazlaw  kamen  im  April  kurz  hintereinander  mehrere  Pockenfälle  vor,  vermuthlich
  infolge  von  Einschleppung  aus  Rußland.  Zunächst  erkrankte  ein  45  jähriger,  nicht  geimpfter
  Arbeiter,  welcher  starb,  und  ein  diesem  verwandtes,  ungeimpftes  Kind  von  11  Monaten,
welches  schwer  krank  war,  aber  genas.  Auf  diese  beiden  Fälle  waren  4  weitere  Erkrankungen
zurückzuführen,  welche  einen  37  jährigen,  angeblich  nicht  geimpften  Fuhrunternehmer,  dessen
10  jährige,  9  Jahre  vorher  mit  Erfolg  geimpfte  Tochter,  einen  22  jährigen,  10  Jahre  vorher
mit  Erfolg  wiedergeimpften  Arbeiter  und  ein  6  jähriges,  nicht  geimpftes,  aus  Rußland  gebürtiges
  Mädchen  betrafen.  Sämmtliche  4  Erkrankungen  verliefen  leicht.  —  In  Strelno
erkrankte  ein  nicht  geimpftes  Kind  von  6  Monaten  mittelschwer  an  Pocken.  Das  Kind
wohnte  über  einer  Gastwirthschaft,  in  welcher  viele  Russen  aus  einer  von  den  Pocken  heimgesuchten
  Stadt  verkehrten.  —  In  Wojcin,  Kreis  Strelno,  erkrankte  ein  11  jähriges,
10  Jahre  vorher  mit  Erfolg  geimpftes  Mädchen,  leicht  an  diskreten  Pocken.  Ueber  die
Entstehung  wird  berichtet:  „Wahrscheinlich  hat  die  Mutter  der  Kranken  zwei  Wochen  vorher
einen  ganz  leichten,  als  solchen  nicht  diagnostizirten  Pockenanfall  gehabt.  Die  Mutter  hatte
häufigen  Verkehr  nach  der  russischen  Grenzstadt,  in  welcher  derzeit  eine  Pockenepidemie
herrschte.“  —  In  Gnesen  trat  ein  vereinzelter,  leichter  Pockenfall,  der  auch  auf  Einschleppung
  von  Rußland  zurückgeführt  wird,  bei  einer  46  jährigen,  27  Jahre  vorher  mit
Erfolg  wiedergeimpften  Frau  auf.

Im  Reg.-Bez.  Liegnitz  wurde  in  Neuen,  Kreis  Bunzlau,  die  Erkrankung  eines
14  jährigen,  ein  Jahr  vorher  mit  Erfolg  wiedergeimpften  Mädchens  angezeigt.  Nach  Feststellung
  des  Kreisphysikus  scheint  es  sich  bei  dem  sehr  leichten  Krankheitsfall,  dessen  Dauer
nur  9  Tage  betrug,  um  Windpocken,  nicht  um  wirkliche  Pocken  gehandelt  zu  haben.
Aehnlich  dürfte  die  aus  Löwenberg  gemeldete  leichte  Erkrankung  eines  13  Jahre  alten,
ein  Jahr  zuvor  mit  Erfolg  wiedergeimpften  Realschülers  zu  beurtheilen  sein.  —  In  Niesky,
Kreis  Rothenburg  i.  O.-L.,  erkrankte  am  10.  Februar  ein  32jähriger  Techniker,  welcher  mit
10  oder  12  Jahren  wiedergeimpft  war,  leicht  an  konfluirenden  Pocken.  Ueber  die  Ansteckung
  wird  berichtet:  „Die  Mutter  des  p.  J.,  welche  mit  böhmischen  Bettfedern
handelt  und  Betten  reinigt,  erkrankte  am  27.  Januar  1896  unter  den  Erscheinungen  eines
Magendarmkatarrhs  mit  Fieber;  im  Verlauf  der  Erkrankung  traten  Windpocken  ähnliche
Eruptionen  in  geringer  Zahl  rings  um  die  Taille  auf.“  Theils  durch  unmittelbare,  theils
durch  mittelbare  Uebertragung  von  diesem  Falle  1)  erkrankten  ferner  6  andere  Personen.
Schwer  war  der  Verlauf  bei  einer  70  jährigen  Rentiersfrau,  welche  angeblich  mit  12  Jahren
erfolgreich  geimpft  war,  aber  keine  Impfnarben  hatte,  ferner  bei  einer  71  jährigen,  im
17.  Jahre  mit  Erfolg  wiedergeimpften  Försterswittwe,  einer  38  jährigen,  mit  11  Jahren  erfolgreich
  wiedergeimpften  Frau,  tödtlich  bei  einer  70  jährigen  Lehrerswittwe,  die  im  12.  Jahre

1)  Hierbei  wird  erwähnt,  daß  die  6—8  Jahre  vorher  wiedergeimpfte  Pflegerin  eines  Kranken
den  Ansteckungsstoff  anderen  Personen  zuführte,  selbst  jedoch  nicht  erkrankte.