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„Lungenschwindsucht“  und  „akuten  Erkrankungen  der  Athmungsorgane“  häufig  oder  selten
vorgekommen  sind.  Die  Ziffer  der  Sterbefälle  aus  beiden  Ursachen  zusammen  zu  ermitteln,
hat  auch  hier  besondern  Werth,  weil  in  den  betr.  Städten  ebenfalls  einer  sehr  hohen  Zahl
der  Schwindsuchtssterbefälle  nicht  selten  eine  auffallend  niedrige  der  Sterbefälle  an  akuten
Erkrankungen  der  Athmungswege  gegenüber  steht.  Während  z.  B.  in  sämmtlichen  Berichtsorten
  von  je  10  000  Einwohnern  rund  25  an  Lungenschwindsucht  und  25,6  an  akuten  Erkrankungen
  der  Athmungsorgane,  also  im  Mittel  etwa  gleichviel  Personen  aus  jeder  der
beiden  Ursachen  gestorben  sind,  starben  in  Velbert  45,,  %0  an  Lungenschwindsucht  aber
nur  9/6  an  akuten  Erkrankungen  der  Athmungsorgane,  umgekehrt  in  Zaborze  62,,  /%0  an
letzteren,  aber  nur  16,2  an  Lungenschwindsucht.  Hiernach  waren  die  Bewohner  von  Zaborze
—  trotz  der  so  geringen  Schwindsuchtssterbeziffer  —  viel  mehr  durch  tödtlich  endende  Lungenleiden
  gefährdet  als  die  von  Velbert,  und  muß  man  annehmen,  daß  der  Ausdruck  „Lungenschwindsucht“
  in  den  Sterbelisten  von  Zaborze  eine  zu  beschränkte  Anwendung  gefunden  hat,
in  denjenigen  von  Velbert  vielleicht  eine  ungewöhnlich  ausgedehnte.  Solche  Fehler  der  ersten
Eintragungen  werden  etwas  ausgeglichen,  wenn  man  nicht  ausschließlich  die  Sterbefälle  in
Folge  von  Lungenschwindsucht,  sondern  die  aus  beiden  Todesursachen  in  Vergleich  zieht,
ehe  man  sich  entscheidet,  wo  die  „Tuberkulose“  größere  Verheerungen  angerichtet  hat.

Was  zunächst  die  höchsten  Sterbeziffern  aus  beiden  Ursachen  betrifft,  so  starben  in
47  von  den  260  Berichtsorten  während  des  einen  Jahres  mehr  als  60  von  je  10  000
Einwohnern  an  „Lungenschwindsucht  und  akuten  Erkrankungen  der  Athmungsorgane“.
Obenan  steht  der  Berliner  Vorort  Tempelhof  mit  92  und  das  in  Westfalen  im  Landdkreise
Bochum  gelegene  Städtchen  Herne  mit  87  bez.  Todesfällen  auf  je  10  000  Einwohner.

Die  Reihenfolge  der  47  Orte  ist:

1.  Tempelhof,  2.  Herne,  3.  Borbeck,  Kr.  Essen,  4.  Ludwigshafen,  5.  Neustadt  i.  O.-Schl.,
6.  Hohen-Schönhausen  bei  Berlin,  7.  Halberstadt,  8.  Zaborze,  9.  Würzburg  (77,71,  10.
Langenbielau,  11.  Erlangen,  12.  Meiderich,  (74,1,  13.  Passau,  14.  Cöthen,  15.  Boxhagen-Rummelsburg
  bei  Berlin,  16.  Marburg,  17.  Speyer,  18.  Nürnberg,  19.  Bayreuth  (71/|,
20.  Kalk  im  Landkreis  Köln,  21.  M.-Gladbach,  22.  Breslau  (69,1],  23.  Linden  b.  Hannover,
24.  Heidelberg,  25.  Soest,  26.  Fürth,  27.  Burg,  28.  Tegel  bei  Berlin,  29.  Essen  (66,01,
30.  Landshut,  31.  Prenzlau,  32.  Beeck,  33.  Rixdorf,  34.  Lichtenberg  bei  Berlin,  35.  Görlitz,
36.  Amberg,  37.  Hörde,  38.  Bochum,  39.  Regensburg,  40.  Forst,  41.  Solingen,  42.  Bernburg,
  43.  Hagen,  44.  Greifswald,  45.  Herford,  46.  Brieg,  47.  Liegnitz  (6001.

Bemerkenswerth  ist,  daß  unter  diesen  47  Orten  allein  6  Universitätsstädte
—  Würzburg,  Erlangen,  Breslau,  Marburg,  Heidelberg,  Greifswald  —  sich  befinden,  was
zweifellos  in  erster  Linie  dem  Zudrang  schwerkranker  Personen  zu  den  Universitätskliniken
zuzuschreiben  ist,  ferner  6  Vororte  von  Berlin  —  Rixdorf,  Tempelhof,  Hohen-Schönhausen,
  Boxhagen-Rummelsburg,  Tegel,  Lichtenberg  —  und  von  im  Ganzen  19  bayerischen
Berichtsorten  11  Städte  aus  Bayern.  Von  den  59  Orten  Westfalens  und  der  Rheinprovinz
  find  12,  von  den  18  Berichtsorten  Schlesiens  sind  7  in  obiger  Reihe  enthalten,
dagegen  von  den  22  Berichtsorten  der  vier  Provinzen  Ost=  und  Westpreußen,  Pommern
und  Posen  außer  jener  Universitätsstadt  Greifswald  kein  einziger.

Die  niedrigsten  Sterblichkeitsziffern  an  Lungenschwindsucht  und  akuten  Erkrankungen
  der  Athmungsorgane  wurden  in  dem  bei  Essen  gelegenen  Orte  Altendorf  und
—  ebenso  wie  die  höchste  —  in  Vororten  Berlins  festgestellt,  und  zwar  in  Stralau,  Steglitz
und  Groß-Lichterfelde.  Außerdem  zeichneten  sich  durch  eine  niedrige  bez.  Sterblichkeitsziffer
bis  zu  3,56  %,  d.  h.  durch  weniger  als  35  Sterbefälle  an  den  genannten