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falen.  Die  hohe  Ziffer  solcher  Unglücksfälle  im  industriereichen  westfälischen  Reg.-Bez.
Arnsberg  —  7,2  auf  10000  Lebende  —  steht  in  bemerkenswerthem  Gegensatz  zu  der  sehr
viel  geringeren  bez.  Ziffer  im  benachbarten  ebenso  industriereichen  Reg.-Bez.  Düsseldorf,
in  welchem  sie  mit  4,5  den  Durchschnitt  fürs  Reich  nur  wenig  überstieg.  Allerdings
kamen  dafür  auf  je  100  tödtlich  verlaufene  Unglücksfälle  im  Reg.-Bez.  Düsseldorf  etwa  39,
im  Reg.-Bez.  Arnsberg  nur  24  Selbstmorde  von  Personen  desselben  Alters.

Ueberhaupt  muß  darauf  hingewiesen  werden,  daß  Jahr  für  Jahr  unter  den  auf
gewaltsame  Weise  herbeigeführten  Todesfällen  in  einem  Theile  der  Staaten  2c.  die  Selbstmorde,
  in  dem  andern  die  tödtlichen  Unglücksfälle  überwiegen;  erstere  überwiegen  z.  B.  in
Hamburg,  Bremen,  Berlin,  den  preußischen  Provinzen  Sachsen  und  Brandenburg,  ferner
außerhalb  Preußens  in  Sachsen-Coburg-Gotha,  Braunschweig,  Sachsen-Meiningen,  im
Königreich  Sachsen,  in  Hessen  (ausgenommen  in  Oberhessen)  und  auch  in  der  Bayerischen
Pfalz,  dagegen  haben  in  allen  übrigen  Theilen  des  Reiches,  insbesondere  im  rechtsrheinischen
Bayern,  in  Württemberg,  Baden,  Elsaß-Lothringen,  sowie  in  den  westlich  und  östlich  von
Brandenburg-Sachsen  gelegenen  preußischen  Provinzen  tödtliche  Verunglückungen  häufiger
als  Selbstmorde  zum  Tode  im  lebenskräftigsten  Alter  geführt.  So  kamen  in  den  Regierungsbezirken
  Koblenz,  Trier  und  Aachen  auf  446  tödtliche  Unglücksfälle  109  Selbstmorde
(4:  1),  wogegen  im  Herzogthum  Sachsen-Coburg-Gotha  17  Verunglückte  auf  71  Selbstmörder
  kamen,  also  das  umgekehrte  Verhältniß  (1:  4)  beobachtet  worden  ist.

Diese  erhebliche,  in  ähnlicher  Weise  auch  früher  schon  festgestellte  Differenz1)  muß
zwar  zum  Theil  durch  eine  größere  Neigung  zum  Selbstmord  im  mittleren  Deutschland
erklärt  werden,  indessen  legt  sie  auch  die  Vermuthung  nahe,  daß  in  jenen  Bezirken  am
Rhein  mancher  Todesfall  als  „Unglücksfall“  in  die  Sterbelisten  eingetragen  sein  mag,  welcher
anderwärts  unbedenklich  als  Selbstmord  bezeichnet  worden  wäre.

Durch  eine  hohe  Selbstmordziffer  fällt  in  dem  letzterwähnten  thüringischen  Staate
namentlich  das  Herzogthum  Coburg  auf,  denn  hier  sind  von  377  zwischen  dem  fünfzehnten
und  dem  sechzigsten  Lebensjahre  gestorbenen  Personen  nicht  weniger  als  27  —  d.  h.  7  von
je  100  Gestorbenen  —  durch  Selbstmord  um's  Leben  gekommen.  In  den  Staaten  Bremen
und  Hamburg  war  Selbstmord  als  Todesursache  bei  56  bezw.  5,6  Prozent  der  Gestorbenen,
dagegen  im  rechtsrheinischen  Bayern  nur  bei  1,7%  und  im  Reg.-Bez.  Aachen  sogar  nur
bei  0,76  %  der  Gestorbenen  dieser  Altersklasse  verzeichnet.

d.  Die  Ursachen  der  Sterbefälle  in  der  höchsten  Altersklasse.

Bei  Personen,  welche  nach  Vollendung  des  60.  Lebensjahres  gestorben  sind,  ist  sehr
oft  Altersschwäche  als  Todesursache  genannt,  und  zwar  in  rund  40  von  je  100  Sterbefällen,
  in  Posen  und  Westpreußen  sogar  bei  mehr  als  der  Hälfte,  in  Pommern  und  Ostpreußen
  bei  nahezu  der  Hälfte  (rund  49—50  %)  der  Sterbefälle.  Im  Allgemeinen  ist
Altersschwäche  in  Norddeutschland  häufiger  als  in  den  süddeutschen  Staaten  als  Todesursache
  eingetragen,  ausgenommen  Berlin,  Hamburg  und  Bremen,  wo  dies  überhaupt  am
seltensten  geschah.

Nächst  dieser  den  natürlichen  Ablauf  des  Lebens  bezeichnenden  Todesursache  sind  besonders
  häufig  entzündliche  Krankheiten  der  Athmungsorgane  bei  bejahrten
Personen  als  Ursache  des  Todes  eingetragen,  und  zwar  haben  „Lungenentzündungen“  angeblich
  61,,  sonstige  entzündliche  Krankheiten  der  Athmungsorgane  durchschnittlich  84,  von

1)  vergl.  Med.  statist.  Mittheilungen  Bd.  2.  S.  181.
Medigz.-stat.  Mitthell.  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte.  Bd.  V.  4